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Vergleich von „Ratgeber-Communities“ und Diskussionsforen/Communities

von Matthias Bastian

Einleitung

So genannte „Ratgeber-Communities“ sind ein relativ neuer Trend in der zunehmenden Ausdifferenzierung unterschiedlicher Community-Konstrukte. Sie erfreuen sich auch dank der sehr guten Google-Findbarkeit eines regen Zulaufs. So kann beispielsweise GuteFrage.net monatlich 5,75 Mio. unique User verzeichnen, was da Frageportal zu einer der 15 erfolgreichsten deutschen Internet-Seiten macht. Aber auch andere Ratgeber-Communities wie Yahoo! Clever, Wer-weiss-was oder COSMIQ werden von den Usern rege frequentiert und genutzt. Das grundsätzliche Schema dieser Communities lautet „Eine Frage, viele Antworten“ – ein Ratsuchender stellt eine Frage, auf die er eine Reihe von Antworten erhält. Die besten Antworten werden dabei durch die User bestimmt und, meist grafisch, gesondert hervorgehoben. Das Themen-Spektrum, um das sich die Frage drehen kann, ist dabei sehr weit gefasst, Einschränkungen gibt es kaum.

Eigenheiten der Ratgeber-Communities

In den Ratgeber-Communities steht der Informations- und Nutzwert klar im Vordergrund. Im Vergleich zu anderen Communities, in denen der Aspekt der Sozialisation und des virtuellen Miteinanders betont wird, trifft man in Ratgeber-Communities vornehmlich auf eine pragmatische Frage-Antwort-Kommunikation. Dieser Pragmatismus wird weiter dadurch gefördert, dass die Qualität der Antworten bewertet wird. Dieses Bewertungssystem fördert eine gewisse Rivalität unter den Antwortenden. Aus dem Miteinander wird ein Gegeneinander, denn jeder möchte die beste Antwort geben und sich nach Möglichkeit als „Experte“ profilieren. Die Kommunikation ist auf den „Moment“ getrimmt, nicht auf ein langfristiges Miteinander. Dieser Effekt wird noch dadurch gefördert, dass Bewertungen über die Antwort hinaus bestehen bleiben, so dass sich User langfristig durch eine entsprechende Liste an kompetenten Antworten auszeichnen wollen.

Ein weiterer Faktor, der auf eine Vernachlässigung des sozialen Erlebnisses hinweist, ist die völlige Abwesenheit eines Off-Topic-Bereichs. Dadurch wird den Nutzern gar nicht erst die Möglichkeit gegeben, sich auf einer privaten Ebene bekannt zu machen und so näher kennen zu lernen. In anderen Communities sind grade die Off-Topic Bereiche die, in denen das „Wir-Gefühl“ einer Gemeinschaft nachdrücklich geprägt wird. Dieser Mangel an sozialem Miteinander wirkt sich allerdings auch unmittelbar auf die Qualität des Inhalts aus. Dem Bewertungssystem steht nämlich eine vollkommene Abwesenheit des Faktors „soziale Akzeptanz“ gegenüber. So kann man nicht, wie in anderen Communites, schon aufgrund der Reaktion anderer, langjähriger User, auf eine Antwort vertrauen. Es gelingt keinem User aus der Masse herauszustechen, da sich kein soziales Gefüge entwickelt, das so etwas zulassen würde. In Kombination mit dem sehr weiten Themen-Spektrum, das dazu führt, dass eben mal „jeder zu allem was sagt“ wird es schwierig, Fachkompetenz zielsicher zu identifizieren. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum nicht selten ein Eintrag aus Wikipedia als beste Antwort gewertet wird.

Kommunikationsverlauf

Innerhalb der Ratgeber-Communities existiert eine strikte Trennung zwischen Fragesteller und Antwortenden. Diskussionen sind nicht erwünscht, so dass es sich fast schon eher um eine Art Individualkommunikation zwischen Fragendem und jedem einzelnen Antwortenden handelt. Untereinander wird kaum aufeinander Bezug genommen, was dem Konzept eines beispielsweise Diskussionsforums diametral entgegensteht. Die Kommunikation endet in dem Moment, in dem der Fragende eine für sich befriedigende Antwort erhalten hat. Im Vergleich zu anderen Communities, in denen Themen-Diskussionen oder andere Topics sogar über Jahre hinweg bestehen können, hat die Frage-Antwort-Kommunikation in Ratgeber-Communities nur eine sehr geringe Halbwertszeit. Die meisten Fragen sind so schnell archiviert, wie sie gestellt wurden.

Fazit

Es ist davon auszugehen, dass die Zielgruppe solcher Ratgeber-Communities eine andere ist wie die, die man normalerweise in Communities oder thematisch spezifischen Diskussions-Foren findet. Web-Neulinge oder –Laien, die möglicherweise noch nicht die Recherchekompetenz besitzen um tiefergehende Beiträge in Foren, Blogosphäre oder anderen sozialen Netzwerken zu finden, sind sicherlich dankbar für die einfache und übersichtliche Bedienbarkeit der Ratgeber-Communities. Auch dank der guten Google-Findbarkeit findet man relativ schnell die Antworten, die man sucht – der Aspekt der mangelnden Sozialisation spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, da die die schnelle Information im Vordergrund steht. Diesem positiven Aspekt steht leider die recht hohe Redundanz an gleichen Frage/Antwort-Kombinationen entgegen. Da es nur wenig Sortierung und Moderation gibt (beispielsweise keine FAQs mit den häufigsten Fragen etc.) tauchen die gleichen Themenfelder immer wieder auf. Natürlich folgen auf gleiche Fragestellungen auch wieder ähnliche oder sogar identische Antworten.

Bedeutung für die PR

Bei den Aufgabengebieten der Online-PR ist die Aktivität auf Ratgeber-Webseiten am ehesten dem Community-Management zuzurechnen. Mit der Einschränkung, dass Aspekte des klassischen Community-Managements, wie beispielsweise die soziale Akzeptanz, kaum oder nur bedingt greifen. So muss man beispielsweise nicht durch ungünstige Gesprächs- oder Diskussionsverläufe mit deutlichem Gegenwind rechnen. Transparenz ist natürlich dennoch ein Muss, im Unterschied zu anderen Communities wird sie aber aufgrund des fehlenden sozialen Gefüges weder eingefordert noch aufgedeckt, sollten die eigenen Aktivitäten eher Richtung virales Marketing tendieren. In jedem Fall sollte der PR-Berater immer dazu in der Lage sein, kompetente Antworten im Sinne des Unternehmens zu geben. Das gilt natürlich nicht nur für Fragen mit direktem Bezug zum Arbeitgeber, sondern vor allem auch für Themen die in Verbindung zum Unternehmen stehen, beispielsweise bei Branchenspezifischen Fragestellungen. Welche Relevanz diese Art von Communities in der zukünftigen Online-PR Arbeit haben werden, bleibt abzuwarten.

Quellen:

http://www.gutefrage.net/werben-auf-gutefrage

Beobachtung und Analyse von u.a….

http://www.gutefrage.net/

http://www.sportlerfrage.net/

http://www.cosmiq.de/

http://www.wer-weiss-was.de/

http://de.answers.yahoo.com/

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Page last modified on February 15, 2010, at 12:31 AM