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Politik 2.0 Welche Tools Nutzen Politiker und was bringt das den Wählern?

Seit dem US-Wahlkampf und der extrem erfolgreichen PR-Kampagne von Barack Obama, dem amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, ist ein Thema in aller Munde: Politik 2.0. Momentan sammeln sich die deutschen Parteien, um ihre Strategien für den Bundestagswahlkampf 2009 zu entwickeln. Auch im deutschen Wahlkampf stellt sich die Frage, welche Rolle das Medium Internet dabei spielen wird.

Die Kurzstudie von newthinking communications um das Thema "Politik im Web 2.0", gibt quartalsweise einen Überblick über den aktuellen Stand der Online-Aktivitäten der Parteien, ihrer Jugendorganisationen und Spitzenpolitiker im Social Network. (vgl. Beckedahl, Markus/ Lüke, Falk/ Hirsch, Sebastian netzpolitik.org 2008:2)

Die Parteien und Politiker im Web 2.0

StudiVZ.net ist das größte Online-Netzwerk für Studenten im deutschsprachigen Raum. Auf studiVZ bleiben Studenten mit ihren Freunden und Kommilitonen in Kontakt und tauschen sich untereinander aus (vgl. studivz.de 2009). Bei StudiVZ gibt es zu jeder politischen Partei mindestens eine eigene Gruppe. Diese Gruppen sind meist von Unterstützern der Parteien betrieben und weisen in Relation zur Gesamtgröße des Studierendennetzwerkes überschaubare Größen auf. Die Möglichkeiten zur Interaktion ist bei StudiVZ nicht besonders groß. (vgl. Beckedahl, Markus/ Lüke, Falk/ Hirsch, Sebastian netzpolitik.org 2008:5)

Facebook:

Auf Facebook ist die Möglichkeit der Interaktion und Vernetzung vielfältiger. Der Grad an soziale Interaktion ist auf Facebook höher als bei StudiVZ. (vgl. Beckedahl, Markus/ Lüke, Falk/ Hirsch, Sebastian netzpolitik.org 2008:6) Diese Vielfältigkeit des Miteinanders kommt den Parteien entgegen. Tritt ein Nutzer einer Gruppe bei, oder wird Fan eines Prominenten oder in diem Fall Befürworter eines Politikers, wird dies für alle seine Kontakte sichtbar und kann einen Schneeballeffekt auslösen. Kontakte des Nutzers, können mit wenigen Klicks auch Mitglied dieser Gruppe, oder Befürworter des Politikers werden. Neben den Gruppen auf Facebook gibt es Fanseiten. Diese gibt es sowohl für Angela Merkel als auch für Frank-Walter Steinmeier, Guido Westerwelle und Kurt Beck. Auch der Hessische Ministerpräsident Roland Koch und sein Konkurrent Thorsten Schäfer-Gümbel haben eigene Gruppen bei Facebook. Man kann Befürworter der Politiker werden, aber auch in Gruppen beitreten, wie etwa der Gruppe: „Gegen Frank-Walter Steinmeier wirkt Angela Merkel wie eine Praktikantin!“ (vgl. facebook.com 2009)

MySpace

Deutsche Spitzenpolitiker haben auf dieser Plattform jedoch bisher keine Accounts. MySpace ist für jeden geeignet, der sich mit Freunden online austauschen möchte, für Singles, die andere Singles kennenlernen wollen. Die Seite ist aber auch für Leute, die ihre Freunde mit anderen Freunden in Kontakt bringen wollen. Auch Familien, die mit ihrer Verwandtschaft in Kontakt bleiben möchten. Für Geschäftsleute und Kollegen, die Netzwerke bilden wollen eignet sich die Seite laut MySpace unter anderem auch. (vgl. myspace.com 2009)

Das globale Business-Netzwerk XING nutzen über 6,5 Millionen Geschäftsleute und Berufstätige, jedoch keine Spitzenpolitiker. XING eignet sich vor allem für die geschäftliche Kontaktpflege und für die Vernetzung im Beruf. (vgl. xing.com 2009)

twitter:

Stand vom 14.10.2008

Politiker nutzen bisher nur sehr wenig den Microblogging-Dienst Twitter. Von den Benutzern können Nachrichten mit höchstens 140 Zeichen verschickt, oder Nachrichten von abonnierten Benutzern empfangen werden. Der Microblogging-Dienst beruht auf dem Abbonieren von Beiträgen anderer Nutzer. Die Grünen haben einen eigenen Twitter-Kanal. Hier veröffentlichen die Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle aktuelle Kurzbeiträge zum Tagesgeschehen, interagieren aber auch mit anderen Nutzern. Auch die FDP-Bundestagsfraktion twittert. Ebenfalls twittern auch einige Politiker wie SPD-Generalsekretär Hubertus Heil oder Thorsten Schäfer-Gümbel. Bei den anderen Parteien oder Politikern ist damit zu rechnen, dass offizielle Twitter-Kanäle in nächster Zeit gestartet werden. (vgl. news.de 2009)

Neben den offiziellen Twitter-Kanälen sind Fake-Accounts wie zum Beispiel der von Franz Müntefering, Wolfgang Schäuble und Angela Merkel sind zu finden.

youtube:

YouTube ist die führende Plattform für Online-Videos sowie die weltweit erste Internetadresse zum Ansehen und Zeigen von Originalvideos im Web. Auf YouZube kann jeder ganz einfach Videoclips hochladen und über Websites, Mobilgeräte, Blogs und E-Mails weitergeben (vgl. youtube.com 2009).

Auffällig ist die Fokussierung zumindest mancher Parteien auf das Videoangebot YouTube. So launchte die CDU im Sommer ihr „CDU-TV“, doch die Zugriffszahlen sind bei ihr wie bei allen Parteien weiterhin eher dürftig. Insgesamt wird der Kanal der Linkspartei (26300 Zugriffe) am meisten betrachtet. Die FDP-Fraktion hat keinen eigenen Channel auf YouTube eingerichtet und hat 25322 Abrufe. Das ist beides nicht viel, doch die 441 bzw. 455 Abonnenten sind ein durchaus stattlicher Wert. Hier kann nur die SPD annähernd mit den beiden kleineren Parteien mithalten – 375 Abonnenten waren Ende September bei ihr erreicht. (vgl. Beckedahl, Markus/ Lüke, Falk/ Hirsch, Sebastian netzpolitik.org 2008:6)

Experten gehen davon aus, dass das Videoportal YouTube eine große Rolle im Online-Wahlkampf spielen wird. 2008 hat sich die Anzahl der Partei-Videos bei YouTube weiter erhöht. Sämtliche Parteien wie CDU, CSU, SPD, FDP, die Grünen und die Linken haben bereits Videos ins Netz gestellt. Die CDU hat einen eigenen YouTube-Kanal und überträgt auf diesem „CDU TV“. (vgl. news.de 2009)

„Eine eigene Facebook-Seite, ab und an bei YouTube ins Internet sprechen und vielleicht ein eigenes Blog oder ein Twitter-Account werden zur Standardausstattung aller halbwegs motivierten Kandidatinnen und Kandidaten für politische Mandate gehören“, prophezeit Markus Beckedahl, einer der Autoren der Studie (vgl. new.de 2009).

Beckedahl zählt mit netzpolitik.org zu den bekanntesten Bloggern in Deutschland. Er rechnet damit, dass das Internet erst in der heißen Phase vor der Bundestagswahl intensiv als Wahlkampfinstrument genutzt wird - zu spät, um sich eine kritische Masse an Anhängern aufzubauen. „Das ist ein langfristiger Prozess“, erläutert Beckedahl. In den USA hätten die Kandidaten zwei Jahre vor der Wahl damit begonnen (vgl. news.de 2009).

Die Message muss die Menschen begeistern. Das kann die Technologie alleine nicht leisten“, so Thomas Gensemer, der zusammen mit Macon Phillips die erfolgreiche Website mybarackobama.com konzipierte (vgl. Reichart, Marcel 2009).




Quellen

Beckedahl, Markus/ Lüke, Falk/ Hirsch, Sebastian (2008): Zwischen Strategie und Experiment. Politik im Web 2.0. Welche Parteien und Spitzenpolitiker nutzen das Social Web für sich? Kurzstudie #2. In netzpolitik.org vom 03.11. (http://netzpolitik.org/wp-upload/20081103-kurzstudie-politik-im-web-2-auflage21.pdf; 11.11.2009).

studivz.net (2008): Über studiVZ. URL: http://www.studivz.net/l/press vom 27.01.2009 (http://www.facebook.com/group.php?sid=72ac82197f0431950619ad3748d123aa&gid=48293720805; 27.01.2009).

myspace.com (2008): MySpace ist eine Online-Community, in der du die Freunde deiner Freunde kennen lernen kannst. (http://www.myspace.com/index.cfm?fuseaction=misc.aboutus; 27.01.2009).

xing.com (2008): XING – Das Business-Netzwerk. (http://corporate.xing.com/; 27.01.2009).

news.de (2008): POLITIK IM WEB 2.0. Superwahljahr wird auch zum Online-Spektakel. vom 10.01. (http://www.news.de/medien/1216752729159/superwahljahr-wird-auch-zum-online-spektakel_p2.html; 27.01.2009).

Reichart, Marcel (2009): Die Macht des Internets. In focus.de vom 20.01. (http://www.focus.de/digital/multimedia/dld-2009/tid-13155/politik-2-0-die-macht-des-internets-teil-3_aid_363581.html; 27.01.2009).

youtube.com (2008): Geschichte des Unternehmens. (http://de.youtube.com/t/about; 27.01.2009).




5-Minuten-Thema von Ivana Buljan im Rahmen der PR-Veranstaltung PR II (Thomas Pleil) Studiengang Online-Journalismus mit Schwerpunkt PR- und Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Darmstadt (Wintersemester 2008/09)

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