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Thema: Online Kriminalität 2.0

Ein Überblick von Andreas Leiser

Einleitung

Im Jahr 2009 wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) in Deutschland 206.909 Straftaten mit dem Tatmittel Internet erfasst. Dies ist eine Steigerung von 23,6 Prozent zum Vorjahr. In meiner Arbeit möchte ich einen Überblick über mögliche Gefahren, vorbeugende Maßnahmen und Ansprechpartner geben.

Eine ursprüngliche Bearbeitung des Themas „Steigerung von Online Kriminalität durch Social Media“ konnte von mir nicht wie gewünscht umgesetzt werden. Die Annahme, dass sich durch das freiwillige Preisgeben von Informationen über Facebook oder Lokalisierungsdienste - wie zum Beispiel Foursquare - die Anzahl der Verbrechen in diesem Bereich erhöht hat, lässt sich noch nicht belegen. Es gibt zwar Stimmen, die vor einer Steigerung und den Auswirkungen von Social Media Aktivitäten warnen (vgl. www.bankrecht-und-bankpraxis.de, 2010), aber dies schlägt sich nicht in belegbare Fälle oder Statistiken nieder.

PR-Relevanz

PR-Praktiker sind in der Praxis häufig als Kommunikator und Berater auf verschiedene Ebenen im Unternehmen unterwegs, die zur Kommunikation ermutigen und befähigen (vgl. Pleil, 2008). Um diese Beraterfunktion ausüben zu können, sollten PR-Praktiker auch über die Gefahren im Internet und in der IT-Welt informiert sein, sowie mögliche Quellen oder Ansprechpartner auf diesem Gebiet kennen. Dies kann sowohl bei der Erstellung von Richtlinien oder Schulungskonzepten, als auch im Dialog oder bei gemeinsamen Projektarbeiten mit anderen Abteilungen (zum Beispiel dem Compliance-Beauftragten oder dem CEO) hilfreich sein.

Gefahren

Die meisten Straftaten im Internet sind dem Betrug zu zuordnen. Von den 206.909 Straftaten aus dem Jahr 2009 mit dem Tatmittel Internet handelt es sich in 169.743 Fällen um Betrug. Diese Betrugsfälle schlüsseln sich in die Bereiche Warenkreditbetrug, Warenbetrug, Leistungsbetrug, Leistungskreditbetrug, Computerbetrug, Urheberrechtsverletzungen und sonstige Betrugsarten auf. Andere Bereiche sind Geldwäsche und die Spionage von Betriebsgeheimnissen bei Unternehmen. (vgl. Bundeskriminalamt 2010, S.243)

Für das Jahr 2010 erwartet das BKA 5000 sogenannter Phishing-Fälle, bei denen Kontodaten von Betrügern ergattert wurden. Das wäre ein Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders im Bereich der Betriebsspionage reagieren einige Unternehmen sehr verängstigt, was sich auch in Beschränkungen für deren Mitarbeiter im Bereich Social Media auswirkt. So verbietet das Automobilunternehmen Porsche seinen Mitarbeitern die Benutzung von sozialen Netzwerken und privaten E-Mail Programmen am Arbeitsplatz. (vgl. www.meedia.de, 2010)

Soziale Netzwerke machen es Unternehmen aus meiner Sicht leichter Mitarbeiter aus anderen Konkurrenzunternehmen abzuwerben. Die Qualifikation, der Werdegang und die Kontakte einer Person lassen sich über Portale wie xing oder linkedin leicht nachvollziehen. Damit geht dem betroffenen Unternehmen, das den Mitarbeiter verliert, wertvolles Know-How verloren und vielleicht auch sensible Unternehmensdaten.

Ansprechpartner oder Recherche-Quellen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht sich als „zentraler IT-Sicherheitsdienstleister des Bundes“. Hauptziel ist die IT-Sicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Das Bundesamt veröffentlicht regelmäßige Lageberichte rund um das Thema IT-Sicherheit und Internet. Es werden aber auch Umfragen - wie die „BSI-Bürgerumfrage zur Internetsicherheit“ im Februar 2011 - durchgeführt. (vgl. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, 2011)

Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht in „Polizeiliche Kriminalstatistik“ seit 2004 die Grundtabelle „Straftaten mit Tatmittel Internet“. Die Erfassung erfolgt für Gesamt Deutschland, ausgenommen dem Bundesland Bayern. Der Bericht wird immer im Frühjahr des Folgejahres veröffentlicht und ist als PDF unter www.bka.de zu beziehen.

Die Politik hat durch den Deutschen Bundestag die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ im Mai 2010 gebildet. Die Kommission untersucht in zwei Jahren die Einflüsse des Internets auf die Gesellschaft. In dem gemeinsamen Antrag aller politischer Fraktionen wird geschrieben: „Das Internet ist das freiheitlichste und effizienteste Informations- und Kommunikationsforum der Welt und trägt maßgeblich zur Entwicklung einer globalen Gemeinschaft bei.“ Zu den untersuchenden Aufgabengebieten zählen: Kultur und Medien, Wirtschaft und Umwelt, Bildung und Forschung, Verbraucherschutz und Recht. Die Ergebnisse der Kommission werden für Ostern 2011 in einem Zwischenbericht und im Sommer 2012 in einem Abschlussbericht erwartet. (vgl. Bundestag, 2010)

Der Chaos Computer Club ist: „Die größte europäische Hackervereinigung und seit über 25 Jahren Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen. Die Aktivitäten des Clubs reichen von technischer Forschung und Erkundung am Rande des Technologieuniversums über Kampagnen, Veranstaltungen, Politikberatung und Publikationen bis zum Betrieb von Anonymisierungsdiensten und Kommunikationsmitteln. Der Club besteht aus einer Reihe dezentraler lokaler Vereine und Gruppen.“ (vgl. Chaos Computer Club, 2011). Der Chaos Computer Club sieht politische Entscheidungen zum Thema Internet vor allem kritisch. So fordert der Club im Februar 2011 die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ auf, für mehr Transparenz ihrer Sitzungen zu sorgen und die Gesellschaft stärker zu beteiligen.

Vorbeugende Maßnahmen - Fazit

Es gibt einige vorbeugende Maßnahmen, die vor Verbrechen rund um die Social Media Landschaft schützen sollen. Der „Medienlotse“ rät seinen Lesern: keine Urlaubsfotos während des Urlaubs zu verbreiten, Tweets aus dem Urlaub zu unterlassen und Foursquare-Aktionen nicht in einen öffentlichen Stream zu posten. (vgl. Rode, 2010) Aus meiner Sicht kommt noch bei verkürzten URLs die Gefahr vor Computerviren hinzu. Doch ist dies auch aus PR-Sicht alles sinnvoll? Ich denke, es liegt in der Verantwortung des Nutzers bewusst mit der Verbreitung seiner Daten umzugehen. Und hier liegt auch eine Aufgabe für die PR-Praktiker, in dem sie dieses Bewusstsein des Nutzers (im Unternehmen: die Mitarbeiter und Kollegen) schärfen.

Quellen

Bankrecht-und-praxis.de (2010): Geldwäsche: Kriminelle entdecken Social Media als Wechselstuben, URL: http://www.bankrecht-und-bankpraxis.de/index.php?id=931&tx_ttnews%5Btt_news%5D=879&tx_ttnews%5BbackPid%5D=939&cHash=8f1ca652f5

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (2011): Das BSI – Chancen nutzen – Risiken vermeiden, URL: https://www.bsi.bund.de/cln_183/DE/DasBSI/dasbsi_node.html (abgerufen am 20.02.2011)

Bundeskriminalamt (2010): Polizeiliche Kriminalstatistik 2009 S.243, URL: http://www.bka.de/pks/pks2009/download/pks-jb_2009_bka.pdf (abgerufen am 20.02.2011)

Bundestag (2010): Antrag auf Einsetzung einer Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“, URL: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/009/1700950.pdf (abgerufen am 20.02.2011)

Chaos Computer Club (2011): http://www.ccc.de/ (abgerufen am 20.02.2011)

meedia.de (2010): Social Media Verbot: Porsche sperrt Facebook aus, URL: http://meedia.de/nc/details-topstory/article/social-media-verbot--porsche-sperrt-facebook-aus_100030828.html (abgerufen am 20.02.2011)

Pleil, Thomas (2008): PR der Zukunft: Ermutigen statt kanalisieren, in: Das Textdepot, Mai 2008, URL: http://thomaspleil.wordpress.com/2008/05/16/pr-der-zukunft-ermutigen-statt-kanalisieren/ (abgerufen am 20.02.2011)

Rode, Jan (2010): Lokalisierungs-Kriminalität steht in den Startlöchern in medienlotse URL: http://medienlotse.wordpress.com/2010/07/23/lokalisierungs-kriminalitat-steht-in-den-startlochern/ (abgerufen am 20.02.2011)

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