view · edit · attach · print · history

PERSONAL BRANDING

„Most of the time ‘personal branding’ is a fancy word for ‘narcissism’.” *

Anonymität ist out

Wir stellen Fotos auf Flickr, Videos auf Youtube und präsentieren uns in sozialen Netzwerken. Wer auf Anonymität verzichtet, muss genau überlegen, wieviel er preisgibt. Doch eine gewisse Offenheit birgt große Chancen für das Personal Brandings-

„Eine gute und somit nachhaltige Online Reputation entsteht allerdings nicht wirklich über Nacht, sondern bedarf sorgfältiger Planung und langsamer Entwicklung. Schließlich geht es hierbei immer auch um den Aufbau von Vertrauen. Es genügt nicht, sich digital aufzuhübschen und eine perfekte digitale Fassade aufzubauen, alle negativen Artikel und unvorteilhaften Bilder aus dem Netz zu verbannen (zumal dieses kaum möglich ist)“ (Eck 2009).

Gerade für uns Studenten, kurz vor dem Abschluss ist es interessant, über persönliche Markenbildung nachzudenken. Online und offline kann man sich mit etwas Geschick, dem nötigen Respekt vor dem weltweiten Gedächtnis und dem nötigen Handwerkszeug vorteilhaft in Szene setzen. * Das hat wenig mit Narzissmus zu tun. Und selbst wenn: solange er im Rahmen bleibt, stört er nicht. Laut Eck (2009) geht es nicht etwa darum, den „perfekten Saubermann zu inszenieren, der keine Schwächen hat.“ Personal Branding unterstützt die beruflichen Chancen des Einzelnen. Wer die Regeln des Selbstmarketings kennt und für sich gezielt einsetzt, kann damit einen wichtigen Baustein für die berufliche Zukunft legen (vgl. Eck 2009).

Wir alle haben eine Marke: unseren Ruf.

Wir selbst bestimmen unsere Stärken und definieren persönliche Eigenschaften. Wir wollen uns damit von Kollegen und Konkurrenten unterscheiden. Im Laufe der Ausbildung und der Karriere bekommen wir Feedback von Lehrern, Professoren, Kollegen und Chefs. Auch Einschätzungen von denen, die uns am besten kennen, also Freunde und Familie, sind wichtig. Diese Menschen haben bereits ein Bild von uns. Sie wissen, wer wir sind und was wir können. Sie können uns bestärken oder auch auf den Teppich der Tatsachen zurückholen. Kritik und Feedback von vertrauten Menschen schaden dem eigenen Ruf nicht, intime Gespräche bleiben der Öffentlichkeit vorenthalten. Zum Branding-Prozess gehört aber auch, die Zielgruppe zu ermitteln. Nur so nehmen die richtigen Leute unsere Markenpositionierung wahr.

Personal Branding ist nicht nur Marketing

Wer Visionen und Ziele definiert, Werte und Leidenschaften entwickelt, der durchläuft auch eine Charakterschule. Wer sich selbst immer wieder reflektiert, weiß welche Arbeit ihm liegt und Freude macht. Diese Menschen können dann auch abschätzen, für welche Tätigkeit sie am besten geeignet sind. Personal Branding hilft also, sich zu positionieren und einen Karriereweg einzuschlagen, den man leidenschaftlich verfolgt.

Die eigene Karriere-Marketing-Strategie

Sobald die eigenen Stärken feststehen und die Marke „Ich“ erste Formen angenommen hat, kann eine Marketing-Strategie her. Es gilt, den eigenen Wert für die Gesellschaft konsequent zu kommunizieren, sowohl online als auch offline. Für uns als Studenten ist vor allem wichtig, Personalern und potentiellen Chefinnen und Chefs die richtigen Informationen zu servieren. Was man über uns findet, kann über die Einladung zum Vorstellungsgespräch entscheiden (vgl. Guiseppi 2009).

„I think personal branding is a sham. The idea that you can have one thing that consistently defines you in all contexts of your life is ridiculous.” *

Klaus Eck (2009) nennt in seinem Weblog PR Blogger zehn Tipps für die eigene Markenbildung:

  1. Ressourcen: Umseinen Personal Brand aufzubauen, muss man Zeit und Leidenschaft investieren, um wahrgenommen zu werden. Dabei gilt: Je mehr Aktivität im Netz, desto besser wird man gefunden. Allerdings sollten eigene Beiträge auch die nötige Relevanz haben.
  2. Begeisterung: Leidenschaft für die eigene Profession vorausgesetzt, kann man auch andere überzeugen und begeistern.
  3. Selbstbewusstsein: Je besser die Einschätzung persönlicher Talente, desto leichter die Selbstdarstellung online. Man sich immer fragen: Für welche Themen will ich persönlich stehen?
    # Persönlichkeit: Es gilt, Unterschiede zu vermeintlichen Wettbewerbern herauszuarbeiten. Wie einmalig ist die eigene Personenmarke, die Personal USP?
  4. Respekt: Ein Brand kann als Kopie eines anderen funktionieren. der falsche Weg ist es auch, andere schlecht zu machen.
  5. Nachhaltigkeit: Statt jedem neuen Trend zu folgen und überall aufzuspringen, sollte man sich besser auf ein einheitliches Auftreten (auf ausgewählten Plattformen/in ausgewählten Netzwerken) konzentrieren.
    #7. Namensidentität: Der eigene Name ist der beste Markenname. Pseudonyme und verschiedene Rollen führen nicht zum Ziel einer konsistenten Marke.
  6. Expertenstatus: Nur über Dinge sprechen, von denen man etwas versteht. Nur so kann ein Expertenstatus aufrechterhalten werden. Leidenschaft und Persönlichkeit steht den eigenen Themen gut zu Gesicht.
  7. Meinung: Keine Scheu vor der eigenen Meinung. Klare Botschaften geben Orientierung und erzielen Aufmerksamkeit. Neutralität und Passivität hingegen sind langweilig.
  8. Perspektive: Am wichtigsten ist die Idee, die man mit Personal Branding verbindet. Man sollte wissen, wohin man will. Für welches Thema möchte ich in fünf jahren stehen? Was möchte ich erreichen.

Schließlich verweist Eck auf den Erfinder des „Personal Brandings“. Tom Peters prägte den Begriff 1997 in seinem Artikel „The Brand Called You“: „Wir sind die CEOs unserer eigenen Ich-AG“ (Peters 1997).

Wen interessiert‘s?

Social Media ist für viele Unternehmen zwar ein zukunftsträchtiges Thema, wirklich eingesetzt wird es noch selten. Die IFOK gab im November 2009 eine Studie zu Social Media in der Personalarbeit heraus. Demnach messen 60 Prozent der befragten Social Media eine große strategische Bedeutung bei. Nur 30 Prozent haben aber eine unternehmensweite Social-Media-Strategie. Immerhin besuchten 80 Prozent schon einmal das Xing-Profil eines Bewerbers. 60 Prozent informieren sich selten oder gelegentlich in sozialen Netzwerken über einen Bewerber (Schwierz/Klempert/Kuptz/Lorenz 2009). Das Thema dürfte aber in Zukunft noch mehr zunehmen. Neben Ego-Googlen dürfte Bewerber-Googlen bei den Personalern in Zukunft weiter zunehmen.

Das Netz vergisst nicht

Doch Vorsicht mit naiver Offenheit. In ihrem Artikel “Vergiss es” beschreiben Bredow und Hipp, wieviel Schaden unüberlegte Taten anrichten können. Kolleginnen hatten Details über ihr intimstes Privatleben ausgetauscht – per Email. Mit einem Klick war die Privatsphäre futsch und die Mailkorrespondenz verbreitete sich pandemieartig im Netz. Doch auch Kritik, wie an einer Hebamme, die nur auf Geld aus sei, kann der eigenen Reputation schwer Schaden und finanzielle Einbußen bedeuten. „Erst wollte Birgit Fleischer die Sache auf sich beruhen lassen. ‚Über alles wächst Gras. Aber dann wurde mir klar: Im Internet wächst über gar nichts Gras. Das bleibt‘“ (Bredow/Hipp 2009). Falsche Identitäten seien der beste Weg, um sich zu schützen. „‚Das digitale Leben verlangt Pseudonyme‘, sagt Frank Rieger, ‚Anonymität ist ein Bestandteil der Freiheit des Internets. ‘Wer das begriffen habe, könne sich unbeschwert bewegen in dieser Welt.“ (Bredow/Hipp 2009). Ein gewisses Risiko muss aber wohl in Kauf nehmen, wer seine Ich-Marke im Netz profilieren will. Anonymität hilft keiner Marke. Ein gesundes Bewusstsein für das digitale Leben sollten wir Online-Journalisten (und –PRler) ja haben.

Wie ein „großes“ Unternehmen kann jeder für sich Online-Monitoring betreiben, etwa über Google Alerts. Das schützt nicht vor Kritik, aber man bleibt handlungsfähig.

Edit 4. Juni 2010:

The Google Job Experience
http://www.youtube.com/watch?v=7FRwCs99DWg

Von Christoph Penter


  • zitiert nach Guiseppi 2009, Originalautor unbekannt

Quellenverzeichnis:

Bredow, Rafaela von; Hipp, Dietmar (2009): Internet. Vergiss es! 1. Teil. In Spiegel Online, Dezember 2009, URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,667027,00.html (23.02.2010)

Bredow, Rafaela von; Hipp, Dietmar (2009): Internet. „Digitales Leben verlangt Pseudonyme“ 2. Teil. In Spiegel Online, Dezember 2009, URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,667027-2,00.html (23.02.2010)

Eck, Klaus (2009): 10 Personal Branding Tipps für Ihren Erfolg. In: PR-Blogger, Oktober 2009, URL: http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/10/personal-branding-f%C3%BCr-die-karriere-die-ewige-bewerbung.html (23.02.2009)

Guiseppi, Meg (2009): What Personal Branding is NOT. In: Executive Carrer Brand, Dezember 2009, URL: http://executivecareerbrand.com/what-personal-branding-is-not/ (23.02.2010)

Peters, Tom (2009): The Brand Called You. In: Fast Company, August 1997, URL: http://www.fastcompany.com/magazine/10/brandyou.html (23.02.2010)

Schwierz, Caterine; Klempert; Arne; Kuptz, Kirsten; Lorenz, Christian (2009): Pluspunkt. Social Media und Personalarbeit: Potential erkannt. Und genutzt? URL: http://www.ifok.de/uploads/media/IFOK_Pluspunkt_SocialMedia_HR.pdf (23.02.2010)

view · edit · attach · print · history
Page last modified on June 04, 2010, at 10:36 PM