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PRtainment – Die unterhaltende Seite der PR

von Riccarda Theis

  • Einleitung
  • Elemente des PRtainments
  • Ramon de Leon - Das Twitter-Beispiel
  • Langweilen verboten! - Unterhaltende Beispiele
Crowdsourcing
Augmented Reality
QR-Codes (Mobile Tagging)
Crowfunding
  • „We love to PRtain you“1 – Ein Fazit
  • Quellen

Einleitung

Dank des Web 2.0 senden Entertainment und Infotainment ihre Informationen im Stakkato in die Medienwelt des 21. Jahrhundert hinaus. Der User bemüht sich aus alledem seine Rosinen herauszupicken. Um in diesem Auswahlprozess nicht vergessen zu werden musste sich die PR an die veränderte Mediennutzung seiner Stakeholder anpassen. Sie wurde und wird unterhaltsam.

Jens-Uwe Meyer, ehemaliger Chefreporter von ProSieben und Lehrbeauftragter der Handelshochschule Leipzig, äußerte sich zur neuen Position der PR so: „Vielleicht gab es einmal Zeiten, in denen PR ausschließlich bierernst war. In denen trockene Informationen trocken transportiert wurden in der Hoffnung, dass trockene Menschen diese trockenen Informationen trocken konsumieren. Diese Zeiten sind jetzt vorbei.“ (aus Kreative PR, UVK-Verlag, 2007)

Im Folgenden möchte ich zeigen, wie sich die Aussage Meyers bewahrheitet hat. Wo und wie wird unterhaltende PR eingesetzt? Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Bereich Social Media.

Elemente des PRtainments

Die PR basiert längst nicht mehr allein auf ihrer Informationstätigkeit ( vgl. I.Lee2) oder ihrer Überzeugungsarbeit (vgl. E. L. Bernays2). Ihr Anspruch ist in den letzten fünf bis zehn Jahren durch die Weiterentwicklung des statischen Web 1.0 zu einem interaktiven Web 2.0 enorm gestiegen. Die Zielgruppen, die User dieses neuen Webs, sind längst nicht mehr trocken, sondern haben gelernt, das Web gezielt nach ihren Bedürfnisbefriedigungen abzusuchen. Deshalb kann es der PR nicht mehr nur genügen, einer bestimmten Zielgruppe einen klar definierten Nutzwert zu kommunizieren.

Genau wie das konkurrierende Infotainment kombiniert die neue PR Informationen mit Unterhaltungsmerkmalen. Daher der Begriff Prtainment. Ihre Merkmale können folgende sein: originell, überraschend, preisgebend, bildstark, plakativ, lustig, mit Erwartungen brechend, persönlich, interaktiv, glaubwürdig und professionell. So gelingt es, ins Gespräch zu kommen. Und zu bleiben.

Ramon de Leon - Das Twitter-Beispiel

Einer, der diese Merkmale besonders verinnerlicht hat, ist Ramon de Leon. Er twittert für die US Fastfoodkette Domino´s Pizza. Mit seinem sympathischen Charakter (witzig, kreativ und spontan) und seinem Talent die Wünsche seiner Mitmenschen und Kunden zu erkennen und darauf einzugehen, hat er seinem Unternehmen Fans und Umsatz eingebracht. Das Geheimnis seines Beziehungsmanagements (!) lüftete Ramon auf der Marketing 2.0 Conference 2011 (Vgl. http://emmanuelvivier.posterous.com/marketing-20-conference-ramonwow-speaks-m2c20).

Seine Kernpunkte könnte man so formulieren: Sei du selbst, stelle den Kunden und nicht das Produkt in den Mittelpunkt und sei dabei ein wenig humorvoll. So simpel, so clever kann PR sein (bzw. Marketainment?).

Langweilen verboten! - Unterhaltende Beispiele

Aber auch andere haben die Möglichkeiten des Social Web für sich und ihre PR-Strategien entdeckt.

Gemeinsame Aktionen (z.B.Crowdsourcing) wie beispielsweise das Designen einer eigenen Spülflasche (Pril), eines Burgers (McDonalds) oder neuerdings auch eines Werbeplakats von Nikon sind besonders beliebt, um sich und sein Produkt ins Gespräch zu bringen. Gleichzeitig erfreuen sich die Nutzer, Kunden und Fans solcher Marken daran, selbst einmal kreativ tätig werden zu dürfen. Kreativität birgt ein großes Unterhaltungs- und somit auch Verbreitungspotential.

Die Gefahren solcher Narrenfreiheiten wurden jedoch zuletzt bei Pril deutlich. Hier ist der Wettbewerb zu kreativ geworden (Vgl. u.a. http://www.pr-fundsachen.de/2011/04/15/crowdsourcing-die-quelle-schmeckt-nach-hahnchen/ ).

Aber auch gemeinsame Erlebnisse (z.B. Augmented Realitity) sind gut geeignet, um aus einem Produkt und seiner Botschaft ein Erlebnis zu machen. Das dänische Unternehmen LEGO vermittelt seinen Kunden mit moderner Technologie einen „Wow!“-Effekt. In einigen LEGO-Stores werden Monitore eingesetzt, welche den Packungsinhalt eines Spielzeugbausatzes dreidimensional und fertig zusammengebaut darstellen. Der Unterhaltungs- und Verbreitungswert ist auch hier sehr hoch. Ein Nachteil ist jedoch, dass der Kunde erst in den Laden kommen muss, um an diesem Erlebnis teilnehmen zu können. Viele Noch-Nicht-Kunden werden so ausgeschlossen.

Auch anhand der immer populärer werdenden QR-Codes (Mobile Tagging) wird der zunehmende Unterhaltungsaspekt der PR deutlich. Mithilfe solcher Codes, die sich auf Verpackungen, in Zeitschriften oder auf sonstigen Oberflächen befinden, wird die Zielgruppe gewissermaßen zum Entdecker. Mit einem Smartphone wird der quadratische schwarz-weiße Code abfotografiert, dechiffriert und man gelangt zu einer Information. Der Nutzer fragt sich also jedes Mal gespannt: Wohin geht die Reise nun?

Ein viertes Beispiel für angewandtes PRtainment sind gemeinsame Projekte. Ein Ziel kann unter anderem die Akquirierung von finanziellen Mitteln sein (Crowdfunding). Gemeinsam mit seinen Unterstützern möchte die Umweltorganisation Greenpeace ein Schiff bauen. Im Internet haben sie dazu ein aufwändiges virtuelles Modell entstehen lassen. Die Darstellung erinnert sehr stark an ein Computerspiel. Der User kann sich frei in der Schiffskonstruktion bewegen, einzelne Komponenten wie Bullaugen, Schrauben oder Badezimmerutensilien anklicken und (real) kaufen. Er rüstet so das Schiff aus. Alle Erbauer werden auf Wunsch mit einer persönlichen Widmung an Board verewigt. Das ist nicht nur unterhaltend, mitreißend und informativ sondern auch persönlich und verbindend.

„We love to PRtain you“1 – Ein Fazit

Das Fazit der unterhaltenden PR fällt gemischt aus. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man durch kreative PR Erwartungen schürt, die man zu jeder Zeit und mit allen Konsequenzen erfüllen muss. Wie im Showbusiness darf man seine Fans nicht enttäuschen. Dabei besteht jedoch die Gefahr, sich mit seiner Kreativität so sehr ins Rampenlicht zu drängen, dass die eigentliche Botschaft im Schatten stehen bleibt. Sie wird boulevardesque, unprofessionell und trivial (vgl. Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode, Fischer-Verlag, Frankfurt; Auflage: 18,1988).

Andererseits kann man sein Unternehmen durch unterhaltende PR besonders fest in den Köpfen der Kunden verankern. Dadurch vergrößert sich die Reichweite einer Botschaft fast wie von selbst, denn beliebtes wird immer auch unter Freunden und Bekannten geteilt. So kann ein langfristiges, dialogisches Netzwerk entstehen, welches auch mal Fehler verzeiht sowie Ideen und finanzielle Unterstützer generieren kann. Wenn man sich darauf einlässt.

Die Elemente des PRtainment sind eine gute Möglichkeit, seine alltägliche PR-Arbeit aufzupeppen und seine Beziehung zu seinen Stakeholdern und Kunden zu erfrischen. Es gilt: Unterhaltung gezielt und nicht willkürlich einsetzen.

Quellen

Literatur:

  • 1Jens-Uwe Meyer, Kreative PR erschienen im UVK-Verlag, 2007
  • Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode erschienen im Fischer-Verlag, Frankfurt, 18. Auflage,1988)
  • 2Foliensatz PR_Theorie.pdf von Prof. Dr. Thomas Pleil in der Vorlesung Grundlagen der PR , Sommersemster 2010

Links:

alle zuletzt geöffnet am 25.06.2011

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Page last modified on June 25, 2011, at 08:47 PM