view · edit · attach · print · history

PR Fails: Wie man es nicht tun sollte

von Dennis Hingst

Einleitung

Nicht immer erzielt PR die gewünschte Wirkung. Schlechte Kampagnen können sogar genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich sollen. Hier werden einige Beispiele angeführt, in denen Vertrauen nicht geschaffen, sondern zerstört wurde. Es fallen je zwei Beispiele in die Kategorien „Mist bauen und es bloß nicht zugeben wollen“ sowie „Keine Ahnung haben und trotzdem seine Meinung loswerden wollen“.

Mist bauen... mit der iPhone 4-Antenne

Zum Verkaufsstart des iPhone 4 gab es erhebliche technische Probleme. Wer das Mobiltelefon in der falschen Position ans Ohr hielt, der hatte keinen Empfang. Apple reagierte, indem das Unternehmen kostenlose Schutzhüllen für das iPhone verteilte. Mit diesen Schutzhüllen konnte das Problem umgangen werden.

Eine Entschuldigung bei der treuen Kundschaft blieb dagegen aus. Stattdessen schaltete Apple eine Website, auf der das Unternehmen behauptete, die Konkurrenz habe die gleichen Probleme und Apples Ingenieure hätten keine Fehler gemacht. Obwohl alle anderen großen Hersteller von Mobiltelefonen der Reihe nach die Behauptung widerlegten, hat sich Apple bis heute nicht entschuldigt. Anstatt sich bei den Kunden für die enorme Loyalität zu bedanken und ganz im Stile des coolen Images den Fehler offen zuzugeben, hat sich Apple mit seiner Mauer-Taktik selbst bei hartgesottenen Fans einen Imageschaden eingehandelt.

Mist bauen... mit der BP-Ölkatastrophe

Im April 2010 sank die Ölbohrplattform Deepwater Horizon des BP-Konzerns. Monatelang strömte Rohöl ungebremst in den Golf von Mexiko. Der Unfall zog schwere ökologische und wirtschaftliche Folgen nach sich, die bis heute nicht überwunden sind.

Anstatt alle verfügbaren Kräfte in die Bekämpfung der Katastrophe zu stecken, veröffentlichte BP-Chef Tony Hayward allerdings ein PR-Video, in dem er sich für den Vorfall entschuldigte. Das Makabre daran: Die im Video gezeigten sauberen Strände und Meerestiere waren offensichtlich nicht am Golf von Mexiko aufgenommen worden. Dort herrschten zu der Zeit ganz andere Zustände. Die Strände waren ölverschmiert und unzählige Tiere verendeten. Die Reaktion der Weltöffentlichkeit fiel entsprechend negativ aus. Selbst Barack Obama kritisierte das Video. Das ohnehin stark beschädigte Image des Ölkonzerns verschlechterte sich weiter. Das Entschuldigungsvideo war an sich vielleicht keine schlechte Idee. Die offensichtlich gefälschten Aufnahmen dagegen sehr wohl.

Keine Ahnung haben... so vie Konstantin Neven DuMont und Helmut Hoffer von Ankershoffen

Konstantin Neven DuMont war Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg, die unter anderem die Frankfurter Rundschau verlegt. In einem kritischen Beitrag auf dem Blog des Journalisten Stefan Niggemeier kommentierte DuMont diverse Male – unter verschiedenen Namen. Das ging so weit, dass DuMont unter verschiedenen Benutzernamen mit sich selbst diskutierte, um sich in ein besseres Licht zu rücken. Das ganze flog auf, weil DuMont nicht die technischen Vorkehrungen getroffen hatte, um eine Rückverfolgung auszuschließen. Trotzdem stritt er nach wie vor alle Vorwürfe ab. Die Affäre gipfelte darin, dass DuMont aus dem Vorstand der Mediengruppe entlassen wurde.

Ähnlich ungeschickt stellte sich Helmut Hoffer von Ankershoffen an. Der Unternehmer und Chef des „WeTab“-Herstellers kommentierte sein eigenes Produkt auf Amazon überaus positiv. Allerdings vergaß er, vorher seinen Namen aus dem Amazon-Profil zu entfernen – der war nach wie vor deutlich zu erkennen. Das PR-Desaster entdeckte er zu spät und flog für sein Fehlverhalten letztendlich aus der Geschäftsführung.

Fazit

PR-Fehler machen selbst Großkonzerne, wie die beiden ersten Beispiele zeigen. Wer offensichtliche Fehler macht, dem bleibt in der Regel nur eine Option: So schnell wie möglich den Fehler eingestehen und Gegenmaßnahmen einleiten. Wer sich immer weiter in Rechtfertigungen verstrickt und sich permanent weigert, einfach „Sorry“ zu sagen, verspielt nur immer mehr Vertrauen. Gerade die „Generation Internet“ achtet sehr darauf, wie Konzerne online kommunizieren. Viele erfolgreiche Beispiele zeigen, dass Offenheit hier sehr geschätzt wird – ganz im Gegenteil zu Geheimniskrämerei und Vertuschung eigener Fehler.

Quellen

view · edit · attach · print · history
Page last modified on August 09, 2011, at 09:53 PM