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Anmerkung des Autors: Das Thema wurde vom Autor exklusiv und unmittelbar im PI-Blog recherchiert. Zum aktuellen Bezug - dem Streit mit der FAZ/FAS - gab es im direkten Anschluss an die Geschehnisse keinerlei verwertbare wissenschaftlichen Quellen, weswegen sich der Artikel ausschließlich auf die selbst recherchierten Fakten und Eindrücke stützt. Nichtsdestotrotz wollte der Autor diese wichtige aktuelle Entwicklung aus der deutschen Blogosphäre unter keinen Umständen vorenthalten, auch wenn der PR-Bezug (Reaktion der FAZ/FAS auf den Boykottaufruf, FAZ/FAS als ungewollter Öffentlichkeitsmacher für "Political Incorrect") im Artikel selbst nur latent vorhanden sein mag. Den Anstoß zu einer Diskussion über PR-Verhalten in Unternehmen bei Drohungen/Boykottaufrufen hat das Thema im Seminar auf jeden Fall geliefert.

Politically Incorrect – Islam-feindliches Newsblog wider den Mainstream

Artikel zum 5-Minuten-Thema der PR II-Veranstaltung von Prof. Dr. Thomas Pleil / Von Jens Dörr

„Eine Kuh, die in einem Pferdestall geboren wird, bleibt eine Kuh.“ Das schrieb ein Blogger in einem Kommentar auf www.politicallyincorrect.de und meinte damit eigentlich: Ein Ausländerkind, das in Deutschland geboren wird, bleibt ein Ausländer. Der deutsche Pass spielt dabei kaum eine Rolle – die Titulierung „Passdeutscher“ ist das höchste der Gefühle, was der Blogger zubilligt.

Ein Einzelfall, könnte man jetzt meinen, verirrt auf einer unbeachteten Propaganda-Seite in den Tiefen des Netzes. Von wegen: Das Weblog „Politically Incorrect“ ist eines der am stärksten frequentierten deutschen Weblogs überhaupt. Fast fünf Millionen Besucher produzierten seit dem Zählerstart am 9. Juli 2007 bis zum 21. Oktober knapp zehn Millionen Seitenaufrufe, mit jeder Aktualisierung der Seite wächst die Zahl an.

Die am 21. Oktober am stärksten beachtete Meldung der Seite: eine Abhandlung über „Political Incorrect“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS)(Vgl. FAS 2007). Weit mehr als 200 Kommentare vereint der Beitrag schon in den Abendstunden auf sich. Der Tenor: FAZ/FAS sei „Schmierenblatt“ und „Hetzerzeitung“ und spätestens ab sofort zu boykottieren. Andere freuen sich über die kostenlose PR. Auf Kritik reagiere der „politische Mainstream immer hysterischer“, so auch der FAS-Autor Stefan Niggemeier, lassen andere verlauten. Deren Nicknames wie „Linkenscheuche“ und „Limes“ lassen nur selten auf den Verfasser schließen.

Vor allem aber mündet auch dieser Beitrag wieder in die Richtung, die „Political Incorrect“ durchweg prägt: Verdeutlichung der eigenen Abwehrhaltung gegen den Islam, gegen alles und jeden, was Toleranz, Integration und friedliche Ko-Existenz als besser empfindet als die unnachgiebige Stigmatisierung dieser Religion als durchweg unfrei, unterdrückerisch, bedrohlich und einfach nur schlecht – für Deutschland, Europa und die nicht-islamische Welt. „News gegen den Mainstream“, eine „proamerikanische“ und „proisraelische“ Haltung sowie das Eintreten „gegen die Islamisierung Europas“ und „für Grundgesetz und Menschenrechte“ – diese Marschroute prangt im Header des Blogs und führt eine ausgewogene Diskussion durch diese quasi-redaktionellen Vorgaben schon im Vorfeld ad absurdum. Beziehungsweise sorgt dafür, dass etwa USA-kritische oder gar islamische Blogger gar nicht erst am Gedankenaustausch auf „Political Incorrect“ teilnehmen.

Was soll man auch entgegnen, wenn in den Kommentaren ständig Politiker-Zitate, teils grob aus dem Zusammenhang herausgerissen und uralt, präsentiert werden wie „Ich wäre glücklich, wenn heute eine Million Türken wieder zurückgingen in ihre Heimat” (Heinz Kühn, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen) und Helmut Kohls Wahlkampfversprechen von 1982 „Wir werden die Arbeitslosigkeit und die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer um die Hälfte reduzieren”? Letztlich vereinigen sich auf „Political Incorrect“ selten mehr und meist weniger differenzierte Beiträge, die falsch verstandene Toleranz gegenüber dem Islam verurteilen und Schreckensmeldungen von Selbstmordattentätern oder Berichten über kriminell gewordene Ausländer in Deutschland genüsslich online stellen.

Die Distanzierung von den Nazis gelingt den Initiatoren durch ihre Israel-Freundlichkeit, ihre Akzeptanz von Homosexuellen sowie anderen freiheitlichen Zugeständnissen. Stattdessen sammelt sich der latent oder deutlich ausländer- und besonders islamfeindliche Deutsche, der nicht als Nazi, aber noch weniger als Linker gelten will und in der liberaler werdenden Union ebenfalls keine Heimat sieht, unter den Bloggern und vielfach auch Lesern von „Political Incorrect“. Und macht in der gemeinhin als intellektuell und offen geltenden Blogosphäre ein offensichtliches Hetzer-Blog zu einem der erfolgreichsten deutschen Web-2.0-Projekte überhaupt.

(Vgl. FAS 2007): Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), Stefan Niggemeier, 21.10.2007

Kompletter Artikel siehe hier:

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