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Reputation-Management: Chancen und Risiken der Online-Reputation

In den letzten Jahren ist das Internet immer mehr zum Alltagsmedium geworden und unser berufliches wie privates Leben verlagert sich zunehmend dorthin. Bereits 63 Prozent der deutschen Internetnutzer recherchieren im Internet nach Mitmenschen, das ergab eine Studie vom TNS Emnid (vgl. Statista 2008) und auch im beruflichen Leben spielt das digitale Image eine immer wichtigere Rolle. Eine Personalberaterbefragung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater ergab, dass knapp 70 Prozent der Personalprofis das Internet immer häufiger zur Referenzüberprüfung nutzen. (vgl. BDU 2007)
57 Prozent der Personalverantwortlichen haben bereits Bewerbungen aufgrund einer schlechten, digitalen Selbstdarstellung des Bewerbers wieder zurückgeschickt. (vgl. Eck 2008a) Doch wie viele Informationen sollte man überhaupt von sich preisgeben?

Vielen Datenschützern stehen im Hinblick auf die übertriebene Informationsfreizügigkeit im Internet die Haare zu Berge. Ob in Blogs, bei Twitter, Facebook oder XING - zahlreiche soziale Netzwerke animieren vor allem die jüngere Generation dazu, immer mehr Informationen von sich ins Internet zu stellen. Doch wenn im Internet neben allgemeinen, beruflichen Dingen auch sehr persönliche Details oder Firmeninterna gefunden werden können, setzt man damit schnell seine Karriere aufs Spiel. Die US-Amerikanerin Stacy Snyder verlor z.B. 2005 ihren Studienplatz, da sie auf ihrer mySpace-Seite ein Partybild eingestellt hatte, auf dem die Studentin verkleidet als Pirat abgebildet war. Das Bild hatte den kompromittierenden Untertitel: "betrunkener Pirat". Die Universität verweigerte der Studentin daraufhin das Diplom, da Sie die Vorbildfunktion der angehenden Lehrerin verletzt sah. (vgl. Grobholz 2008) Man sollte also nur private Details im Internet veröffentlichen, zu denen man auch in den Medien stehen würde und natürlich sollte man zusätzlich darauf achten, auch im Alltag keine kompromittierenden Bilder oder Geschehnisse zuzulassen. (vgl. Eck 2008a)

Aber auch geschützte digitale Profile können einem zum Verhängnis werden. Bei StudiVZ gelang es z.B. Hackern, an die nicht veröffentlichten Passwörter und E-Mail Adressen zu gelangen. Nutzen Sie daher im besten Fall für jedes Netzwerk ein anderes Passwort. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt zeigte, dass oft die Vorsichtsmaßnahmen in sozialen Netzwerken nicht viel nützen, weil sich an völlig unerwarteten Stellen Sicherheitslücken auftun. "Von den getesteten Plattformen konnte keine vollständig überzeugen", sagt Studienautor Andreas Poller. (Poller 2008)

Aus Angst vor einer schlechten Reputation versuchen viele Menschen, im Internet so wenige Spuren wie möglich zu hinterlassen. Andere interessiert die digitale Reputation überhaupt nicht, da sie der Ansicht sind, sie hätte gegenüber der realen Reputation kein Gewicht. Doch auch ein Ausblenden der digitalen Reputation, bzw. ein Versuch, sie so gering wie möglich zu halten, kann gefährlich werden.

Potenziell kann jeder Internetnutzer kompromittierende Inhalte über andere verbreiten. Oft genug kommt es vor, dass Expartner Bilder, Videos oder andere prekäre Details zu einer Person im Internet veröffentlichen und gezielt versuchen, die Reputation eines Bekannten in den Dreck zu ziehen (Reputation Bashing). Wer dann keine digitale Profile, Blogeinträge oder sonstige digitale Aktivitäten aufweisen kann, hat es schwer, auf Verleumdungen oder Falschinformationen zu reagieren, da er kein Netzwerk hat, dass ihn auffangen kann. Es macht also keinen Sinn, das Internet aus Angst vor einer schlechten Reputation zu ignorieren, da das nicht unbedingt bedeutet, dass das Internet einen auch ignoriert. Wer sich nicht um seine eigene Reputation kümmert, muss außerdem damit rechnen, dass andere die eigene Identität übernehmen und digitale Profile im Namen des "Opfers" erstellen und dann über dessen Namen negative Äußerungen verbreiten. Um zu vermeiden, dass Trittbrettfahrer oder Namensvetter unter gleichem Namen Inhalte ins Internet stellen, mit denen Sie nicht identifiziert werden wollen, ist es wichtig, sich den eigenen Namen in allen Netzwerken und auch als Webadresse zu sichern. So können Sie verhindern, dass andere die eigene Personenmarke missbrauchen. (vgl. Eck 2008a / vgl. Eck 2008e)

Wiederherstellen einer positiven Reputation:
Eine Studie der PR-Agentur Burson Marsteller kam zu dem Ergebnis, dass es drei bis vier Jahre dauern kann, bis ein Unternehmen seinen guten Ruf wiederhergestellt hat. Bei Privatpersonen dürfte das ähnlich lange dauern. Die schlechte Nachricht: Oft verschwinden die negativen Schlagzeilen nicht mehr, denn erstens tauchen sie nach dem Löschen schneller wieder auf, als man denkt und zweitens sind alle Internetseiten in Internet-Archiven wie "Wayback-Maschine" gespeichert. Doch mit einer langfristigen, digitalen Reputationsarbeit kann man die negativen Beiträge in den Suchmaschinen nach unten verbannen. Dadurch verlieren sie an Relevanz für den Leser und da die Einträge ab Seite drei der Suchmaschinen eher selten betrachtet werden, sind Beiträge, die man in den ersten Seiten der Suchmaschinen nicht findet, praktisch nicht existent. Verdrängen Sie also Negatives mit Positivem. Ein positiver Ruf im Internet geht außerdem mit Vertauenswürdigkeit, Glaubwürdigkeit, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit einher. Da diese Werte nicht kurzfristig erworben werden können, ist eine lange, kontinuierliche Reputationsarbeit von Nöten, durch die die Personenmarke gestärkt werden kann. Dazu ist es wichtig, im Netz möglichst omnipräsent zu sein, viele digitale Profile anzulegen und ein breit gefächertes, digitales Netzwerk aufzubauen, denn eine gut aufgebaute Internetseite kann leicht übersehen werden, ist man jedoch in vielen Netzwerken präsent und viele Blogger greifen die eigenen Themen auf, verdrängen diese Beiträge negative Äußerungen. Wichtig für eine gute Online-Reputation ist außerdem die Vernetzung einzelner Netzwerke miteinander. (vgl. Eck 2008a)

Mechanismen zur Überprüfung der digitalen Reputation:
Immer mehr Firmen bieten bei der Vernichtung digitaler Spuren ihre Dienste an. Nach dem U.S.-amerikanischen Vorbild "ReputationDefender" durchkämmen sie für einen monatlichen Obolus das Internet nach kompromittierenden Informationen zur eigenen Person. Oft wird jedoch keine Garantie gegeben, dass sich die Informationen tatsächlich beseitigen lassen, oder dass der Ruf nicht zusätzlich beschädigt wird. Falls ein Seitenanbieter sich weigert negative Informationen über Sie zu löschen, schalten Sie nicht gleich einen Juristen ein, denn damit erlangen sie oft zusätzlich negative Publicity, das sieht man auch am Fall Lutz Heilmann und Wikipedia. (vgl. Eck 2008a / 2008f)

Sollten Sie keinen Dienst für ihre Monitoringzwecke beauftragen, kontrollieren Sie selbst in regelmäßigen Abständen ihre Online-Reputation. Mit ein bisschen Übung und Feingefühl lassen sich über Google oder 123people.com schon einige interessante Einträge finden. Suchen Sie z.B. bei Google nach ihrem Namen in Verbindung mit den Keywords "Probleme" oder "Kritik". Auch Services wie Flickr, YouTube und Sevenload sollten Sie regelmäßig nach Bildern von Ihrem Konterfei absuchen. Neue Technologien wie Gesichtserkennung machen die Bildersuche noch einfacher. So können Suchsysteme wie viewdle.com gesuchte Gesichter in Videosequenzen ermitteln. (vgl. Eck 2008a)

Link-Empfehlung:
Hier gibt es ca. 160 Tipps und Tools, wie man seine Online-Reputation beeinflussen kann.
URL: http://jobmob.co.il/blog/online-reputation-management-resources-tips/ (Abruf: 17.11.2008)

5-Minuten-Thema von Mirjam Greilich im Rahmen der PR-Veranstaltung PR IIA (Thomas Pleil),
Studiengang Online-Journalismus mit Schwerpunkt PR- und Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Darmstadt (Wintersemester 08/09)


Videoverzeichnis:
Wissenschaftssendung "Neues" in 3Sat (2008): Täglich grüßt die Community!, in: "Neues" (Video-Podcast zur Sendung vom 21.09.2008) | Min. 14:40 – 20:40
URL: http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=9651 (Abrufdatum: 10.11.2008)

Der Computer-Service "Angeklickt" im WDR (2008): Was weiß das Netz?, in: "Angeklickt" (Video-Podcast zur Sendung vom 07.11.2008),
URL: http://gffstream-8.vo.llnwd.net/c1/m/1226080800/angeklickt/wdr_fernsehen_angeklickt_20081107.mp4 (Abrufdatum: 10.11.2008)

Der Computer-Service "Angeklickt" im WDR (2008): Das Internet als Pranger, in: "Angeklickt" (Video-Podcast zur Sendung vom 15.08.2008),
URL: http://gffstream-6.vo.llnwd.net/c1/m/1218816000/angeklickt/wdr_fernsehen_angeklickt_20080815.mp4 (Abrufdatum: 10.11.2008)

Literaturverzeichnis:
Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. (2007): BDU-Personalbefragung, in: Pressebereich des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. (Pressemitteilung vom 29.10.2007),
URL: http://www.bdu.de/presse_387.html (Abruf: 10.11.2008)

Eck, Klaus (2008a): Karrierefalle Internet. Managen Sie ihre Online-Reputation, bevor andere es tun! Carl Hanser Verlag München

Eck, Klaus (2008b): Das Internet als Indikator für den beruflichen Erfolg, in: PR Blogger (Weblogeintrag vom 31.05.2008),
URL: http://klauseck.typepad.com/prblogger/2008/05/das-internet-al.html (Abruf: 10.11.2008)

Eck, Klaus (2008c): Der Namensvetter, in: PR Blogger (Weblogeintrag vom 17.10.2008),
URL: http://klauseck.typepad.com/prblogger/2008/10/namensvetter.html (Abruf: 17.11.2008)

Eck, Klaus (2008d): Morgenwelt 31: Imageschäden, Corporate Blogs und die Krisen-PR, in: PR Blogger (Weblogeintrag vom 18.11.2008),
URL: http://klauseck.typepad.com/prblogger/2008/11/social-media-ma.html (Abruf: 18.11.2008)

Poller, Andreas (2008): Social Networks 2008: Privatsphärenschutz in Soziale-Netzwerke-Plattformen, in: Pressebereich des Fraunhofer Instituts für Sichere Informations-Technologie, August 2008,
URL: http://www.sit.fraunhofer.de/fhg/Images/SocNetStudie_Deu_Final_tcm105-132111.pdf (Abruf: 10.11.2008)

Grobholz, Mario (2008): Reputationsmanagement: Warum Nutzer auf ihren guten Ruf im Web achten sollten, in: Create or die, April 2008,
URL: http://createordie.de/cod/artikel/Reputationsmanagement-Warum-Nutzer-auf-ihren-guten-Ruf-im-Web-achten-sollten-1693.html?print=1 (Abrufdatum: 17.11.2008)

Mai, Jochen (2007) Klick, du bist tot – Wenn das Internet Karrieren killt, in: Die Karriere-Bibel (Weblogeintrag vom 13. Juli 2007),
URL: http://karrierebibel.de/klick-du-bist-tot-wenn-das-internet-karrieren-killt/ (Abruf: 12.11.2008)

Mai, Jochen (2008): Rufzeichen – Was Personaler in Online-Profilen interessiert, in: Die Karriere-Bibel (Weblogeintrag vom 2. Oktober 2008),
URL: http://karrierebibel.de/rufzeichen-was-personaler-in-online-profilen-interessiert/ (Abruf: 17.11.2008)

Meyer, Anne (2008): Soziale Netzwerke: Der Spion, der mich kopierte, in: Stern.de, Oktober 2008,
URL: http://www.stern.de/computer-technik/internet/641364.html (Abruf: 10.11.2008)

Mrazek, Thomas (2008): Deckname Moser, in: "journalist", Juni 2008,
URL: http://netzjournalist.twoday.net/stories/5126120/comment (Abruf: 18.11.2008)

Pitzke, Marc (2008): Wall-Street-Skandal: Banker am Online-Pranger, in: Spiegel Online, August 2008,
URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,570795,00.html (Abruf: 17.11.2008)

Statista (2008): Google: Das Ich im Netz, in: statista – Statistik für alle, August 2008,
URL: http://de.statista.org/statistik/daten/studie/1573/umfrage/personen-die-im-internet-gegoogelt-werden/#info (Abruf: 18.11.2008)

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