view · edit · attach · print · history

NPOs - Umgang mit multiplen Stakeholdern (Ein Praxisbeispiel)

Gerade für Nonprofit-Organisationen ist ein aktives Stakeholder-Management von Bedeutung, denn sie finanzieren sich in der Regel durch Dritte. Häufig haben NPOs verschiedene Einnahmequellen: staatliche Mittel, Mitgliederbeiträge und eigene Gewinne. Das bedeutet, dass die Interessen und Erwartungen der verschiedenen Anspruchsgruppen berücksichtigt werden müssen, wenn auch weiterhin die Finanzierung der Organisationsarbeit gewährleistet sein soll. Deshalb sind NPOs bei ihrer Arbeit teilweise mit gegensätzliche Interessen konfrontiert, die sie beachten müssen. Der Staat bevorzugt beispielsweise große, professionell arbeitende Einrichtungen, während Mitglieder und Ehrenamtliche lieber regionale Tätigkeiten bevorzugen. (vgl. Theuvsen [1998]:1)

Fachtagung „Fachkräft sichern“

Am Beispiel der Fachtagung „Fachkräfte sichern“, die am 29. und 30. April 2008 stattfindet, wird deutlich, welche Interessen verschiedene Anspruchsgruppen verfolgen. Auf der Veranstaltung sollen Besucher für das Thema „Fachkräfte“ sensibilisiert werden. Es steht dabei die Praxis und der Erfahrungsausstausch im Vordergrund. „Good-Practice“-Beispiele zeigen, wie Fachkräfte gewonnen und gesichert werden können. Außerdem stehen Workshops und Vorträge auf dem Programm. Gemeinsam mit dem BMWI (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie)veranstaltet das RKW-Kompetenzzentrum (Rationalisierungs- und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft e.V.) diese Tagung.

RKW-Kompetenzzentrum

Das Kompetenzzentrum ist eine Einrichtung des RKW-Bundesvereines, der gemeinnützig tätig ist. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt kleine und mittelständische Unternehmen aus dem Bereich Handel und Dienstleistung zu fördern um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Wichtig hierbei ist, dass der Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren, wie beispielsweise Arbeitgeber, Sozialpartner und Gewerkschaften ermöglicht wird. (vgl. Rkw.de) Als Veranstalter ist das RKW-Kompetenzzentrum dafür verantwortlich, dass die Interessen der verschiedenen Stakeholder berücksichtigt werden.

Interessen der Stakeholder

BMWI:

Das BMWI ist der Autraggeber der Fachtagung und gleichzeitig auch der Hauptförderer des RKWs. Für das Ministerium ist das Thema „Fachkräfte sichern“ von politischer Bedeutung und es erhofft sich eine Veranstaltung, die viel Öffentlichkeit generiert. Um weiterhin vom BMWI finanziert zu werden, muss das Kompetenzzentrum die Veranstaltung bestmöglich nach seinen Wünschen gestalten.

Landesverbände:

Die Landesverbände des RKW möchten, dass das RKW insgesamt gestärkt wird. Sie haben für die Veranstaltung geworben und erhoffen sich vermehrte Medienresonanz und eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Mitglieder:

Mitglieder die Beiträge bezahlen, möchten an der Tagung teilnehmen. In diesem Jahr hat das RKW die Jahreshauptversammlung direkt vor die Fachtagung gelegt. So müssen die Mitglieder anstatt an zwei Terminen, nur einmal anreisen. Es ist wichtig, dass die Mitglieder zufrieden sind, denn zu einem Teil finanziert sich das RKW über die Mitgliedsbeiträge. Außerdem legitimiert eine große Mitgliederzahl die Arbeit der Organisation in besonderem Maße.

Ehrenamtliche:

Viele NPOs sind besonders auf die Arbeit von Freiwilligen angewiesen. Sie sind für gemeinnützige Organisationen von besonderer Bedeutung. (vgl. Theuvsen [1998]:2) Auf der Tagung bietet das RKW Ehrenamtlichen die Möglichkeit sich zu präsentieren. Es hat sie insofern in das Event eingebunden, indem sie zum Beispiel Impulsreferate halten.

Partner:

Das RKW arbeitet mit verschiedenen Projektpartnern zusammen. Um Projekte auch in Zukunft gemeinsam gut umzusetzen, muss das Kompetenzzentrum ihre Wünsche berücksichtigen. Die Partner möchten sich, wie auch die Ehrenamtlichen, auf der Tagung zeigen. Deshalb sind auch sie in das Programm integriert und haben die Möglichkeit ihre Projekte vorzustellen.

Verbände und Kammern:

Verbände und Kammern, wie die IHK oder die Handwerkskammern, sind Multiplikatoren des RKWs, da sie nah an den Unternehmen dran sind. An der Fachtagung nehmen sie als Gäste teil. Das Kompetenzzentrum profitiert einerseits von diesen Stakeholdern. Andererseits stellen sie auch Konkurrenz dar, gerade weil sie einen direkten Zugang zu den Betrieben haben.

KMU:

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind die Zielgruppe der Veranstaltung. Die Themenauswahl wurde auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Sie haben eine persönliche Einladung erhalten und sind auch per Newsletter, Internet und Pressemitteilungen auf die Veranstaltung hingewiesen worden. Für das RKW ist es wichtig, dass die KMUs umfangreich erscheinen. Schließlich legitimieren sie die Tätigkeiten der Organisation.

Quellen:

daraus:
1: Koteen, Jack (1989): Strategic Management in Public and Nonprofit Organizations. Thinking and Acting Strategically on Public Concerns, New York - Westport, CT – London, S. 13 ff.;Tassie, Bill/Murray, Vic/Cutt, James (1998): Evaluating Social Service Agencies: Fuzzy Pictures of Organizational Effectiveness
2: Anheier, Helmut K./Salamon, Lester M. (1993): Die Internationale Systematik der Nonprofit- Organisation. Zur Definition und Klassifikation des „Dritten Sektors“ intermediärer Organisationen, in: Bauer, Rudolph (Hrsg.): Intermediäre Nonprofit-Organisationen in einem Neuen Europa, Rheinfelden - Berlin, S. 4

5-Minuten-Thema von Laura Schade im Rahmen der PR-Veranstaltung PR Ia (Thomas Pleil) Studiengang Online-Journalismus mit Schwerpunkt PR- und Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Darmstadt (Sommersemester 2008)

view · edit · attach · print · history
Page last modified on May 19, 2008, at 05:01 PM