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Kommunikationsstrategien von Gentechnik-Gegnern

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Position von Gegnern der grünen Gentechnik (Mehr über grüne Gentechnik auf Wikipedia) und ihren KommunikationsStrategien am Beispiel von Greenpeace.


Befürchtungen von Gentechnik-Gegnern

Obwohl die Industrie Gentechnik allgemein als sicher bezeichnet, haben Naturschützer nach wie vor Bedenken.

Der Ausgang von Gentechnik-Experimenten ist vielen zu ungewiss, denn Wechselwirkungen der eingebauten Gene mit anderen Genen und Proteinen lassen sich bislang nicht genau steuern. Dementsprechend kam es bereits zu bösen Überraschungen bei gentechnisch veränderten Pflanzen, weil sich unvorsehbare Nebenwirkungen einstellten. So platzten laut Greenpeace die Stängel von gentechnisch veränderten Soja-Pflanzen bei Hitze oder Pappeln begannen zur falschen Zeit zu blühen.

Auch die von der Industrie viel gelobten insektenresistenten Pflanzen, die den Pestizidverbrauch einschränken sollen, sind nicht so umweltfreundlich wie behauptet. Mit Hilfe des Gens eines Bodenbakteriums namens Bacillus thuringiensis (Bt) produzieren die Feldpflanzen selbst Toxine und sollen sich damit der Schädlinge erwehren. Aber auch artverwandte Nützlinge sind zum Teil für die Toxine anfällig und werden in ihren Beständen dezimiert, womit Sekundärschädlinge sich wiederum uneingeschränkt vermehren können. Theoretisch kann sich die Insektenresistenz darüber hinaus auch auf verwandte, unkrautartige Wildkräuter übertragen.


Zielgruppen des Protests

Der Protest der Gentechnik-Gegner richtet sich an Entscheider auf allen Ebenen von den Landesregierungen bis hin zur World Trade Organisation. Viele der Gruppierungen haben sich auf eine ZielGruppe spezialisiert.

Das Aktionsbündnis „Keine Gentechnik auf Sachsen-Anhalts Feldern“ richtet sich beispielsweise direkt an die Landesregierung Sachsen-Anhalts. Forderungen sind hier unter anderem das Recht auf direkte Mitbestimmung der Bürger in den Kommunen und Landkreisen oder der Appell an die Landesregierung, bestimmte Gesetzesvorhaben im Bundesrat abzulehnen.

Greenpeace dagegen fordert zum Beispiel, bundesweit die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen zu stoppen und EU-weite Regeln zum Schutz gentechnikfreier Landwirtschaft festzulegen.

GENug-WTO.de wiederum ist ein Gemeinschaftsprojekt von attac und dem BUND, das sich direkt an die Welthandelsorganisation wendet. Die Aktion hat den Hintergrund, dass 2003 die USA, Kanada und Argentinien bei der WTO eine Beschwerde gegen den Zulassungsstopp der EU für genetisch veränderte Organismen eingereicht haben, weil es die Exportmöglichkeiten amerikanischer Farmer einschränkt. Die Gentechnik-Gegner appellieren nun an die WTO, dieser Klage nicht stattzugeben.


Die Greenpeace-Kommunikationsstrategie

Wenn es um die Aufdeckung von Umweltskandalen und KamPagnen von Gentechnik-Gegnern geht, denken viele zuerst an Greenpeace. Das liegt nicht zuletzt an der Greenpeace-Kommunikationsstrategie, die in erster Linie auf direkte Konfrontation setzt.

Greenpeace geht davon aus, dass bloße Information nicht ausreicht – öffentlicher Druck lässt sich nur mit spektakulären Aktionen erreichen, die aber gewaltfrei ablaufen sollen. Events wie die Demonstration in Kuhkostümen vor dem Müllermilch-Werk bieten den Medien Berichterstattungsanlässe und die Möglichkeit, Schlüsselbilder für komplexe Sachverhalte zu finden.

Wichtig ist es dabei, glaubwürdig zu bleiben. Obwohl Patzer wie die falsche Abschätzung der Ölmenge auf der Shell-Plattform „Brent Spar“ zum Teil einen anderen Eindruck erwecken, recherchiert Greenpeace nach eigenen Angaben ausführlich, bevor die Organisation ein Thema an die Öffentlichkeit bringt. Ebenso werden umfangreiche Hintergrundinformationen und Lösungsansatze zusammengetragen, um Anfragen von Journalisten kompetent beantworten zu können.

Neben der Konfrontationsstrategie geht es auch darum, komplexe Themen wie die Gentechnik emotional und vereinfacht der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Statements sollen jedoch stets wissenschaftlich untermauert sein. Das wichtigste KommunikationsMedium sind dabei emotionale Bilder. Diese sollen Aufmerksamkeit erregen und die Gefühle des Betrachters ansprechen, sogar Wut erzeugen. Indem die Organisation auch für schwierige Themen wie die Gentechnik gute Motive findet, sichert sie sich eine breite Berichterstattung.

Beispiele für emotionale Bilder:

Das Beispiel der Müllermilch-Kampagne zeigt, wie diese KommunikationsStrategie funktionieren kann. Mit zahlreichen Aktionen wie dem Leerräumen der Müllermilch-Regale in Supermärkten brachte sich Greenpeace in die Medien und den Müllerkonzern ins Gespräch. Als Unternehmenschef Theo Müller bei einer Demonstration schließlich Fotografen attackierte und dafür vor Gericht verurteilt wurde, trug Greenpeace einen moralischen Teilsieg davon: Die Öffentlichkeit nahm die Organisation wahr und Müllermilch erhielt einen Imageschaden.


Weblinks

Autor: Kristin Steffan

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Page last modified on May 22, 2006, at 08:31 AM