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Klimakiller Internet

5-Minuten-Thema von Jasmine Kuna am 1. November 2007

Wer nur Energiesparlampen benutzt, mit dem Fahrrad zur Uni radelt, auf Flugreisen verzichtet und dabei denkt, sich umweltpolitisch korrekt zu verhalten, der irrt. Das Internet ist der wahre Klimakiller, berichtet Welt-Online am 22. September 2007. (vgl. Heuzeroth, Thomas, in Welt-Online 2007)

Der Energiehunger des Internets

• Wer sich überwiegend in virtuellen Welten bewegt, schont keineswegs die Erdatmosphäre. Nach einer Berechnung des US-Bloggers und Buchautors Nicholas Carr verbraucht ein Avatar im Second Life mehr Strom als ein Brasilianer aus Fleisch und Blut. (vgl. Carr, Nicholas, 2006)

• Laut einer Studie, die der amerikanische Chiphersteller AMD bei den den Lawrence Berkeley National Laboratories beauftragt hat, sind 14 komplette Kraftwerke nötig, um die Server und Klimaanlagen dieser Welt mit Energie zu versorgen. (vgl. AMD Smarter Choice 2007)

• Einen ebenso überraschenden wie erschreckenden Vergleich hat Spiegel-Online im Sommer veröffentlicht: Jede Suchanfrage bei Google verbrauche so viel Strom wie eine Energiesparlampe in einer Stunde. (vgl. Spiegel-Online 2007)

• Nach Aussage von Greenpeace Energy wurden für den Stromverbrauch des Web im Jahr 2001 in Deutschland rund 4 Mio. Tonnen CO2 freigesetzt und ca. 5,8 Tonnen hochradioaktiven Atommülls produziert. (vgl. Greenpeace Energy 2007, a)

Wie reagiert die Branche ?

• Damian Schmidt, Chef der Strato AG, erklärte, dass der zweitgrößte Webhosting-Anbieter Europas ab 2008 seine Rechenzentren in Berlin und Karlsruhe komplett mit CO2-frei erzeugtem Strom aus Laufwasserkraftwerken betreiben wird. Dies vermeide einen jährlichen Ausstoß von insgesamt 15.000 Tonnen CO2.

Außerdem senkte das Unternehmen durch energiesparende Technik, effizientere Hard- und Software und eine ausgeklügelte Gebäude- und Klimatechnik den Energieverbrauch in den letzten 18 Monaten um ein Drittel.

Für ihr Engagement im Klimaschutz erhielt die Strato AG im Oktober 2007 den „Berliner Umweltpreis des BUND“ für wegweisende ökologische Entscheidungen. Vorstandsvorsitzender Schmidt hofft nun, mit dieser Initiative neue Kundengruppen ansprechen zu können. (vgl. STRATO AG Berlin 2007)

• Bereits im Februar 2007 hat der Chiphersteller AMD gemeinsam mit IT-Unternehmen wie Sun Microsystems, IBM und HP die Initiative „Green Grid“ ins Leben gerufen. Ziel der Organisation ist es, den weltweiten Energieverbrauch zu senken. (vgl. The Green Grid 2007)

• Von Google und Intel wurde die „Climate Savers Computing Initiative“gegründet. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Vereinigung umweltbewusster Verbraucher, Unternehmen und Naturschutzorganisationen. Sie widmet sich ebenfalls der Verringerung des Energieverbrauchs. Durch die Produktion stromsparender Produkte soll bis zum Jahre 2010 eine Verringerung des Verbrauchs von Computern um 50 Prozent erreicht werden. (vgl. Climate Savers Computing 2007)

• Der US-amerikanische Computer-Hersteller Dell pflanzt für jeden Kunden, der einen Aufpreis zahlt, einen Baum als CO2-Wiedergutmachung.Mit Hilfe des "Plant a Tree for Me"- Programms sollen Emissionen ausgeglichen werden, die der Stromverbrauch der DELL-Computersysteme verursacht.

Zum Preis von sechs US-Dollar beim Kauf eines Desktops und zwei US-Dollar bei Dell Noteboooks pflanzen die Non-Profit-Organisationen "The Conservation Fund" und "Carbonfund.org" einen Baum in umweltgerecht und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. (vgl. DELL 2007)

• Ähnliche Bündnisse gibt es auch in Deutschland. Die Chefs von Unternehmen wie Hubert Burda Media Holding, XING AG, Vattenfall Europe, EnBW, Deutsche BP, Deutsche Bahn und Deutsche Telekom AG haben sich zur Initiative „2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz“ zusammengetan.

Das definierte Ziel der Gruppe lautet: Begrenzung der Erderwärmung auf 2° Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Telekom-Chef René Obermann will in diesem Jahr etwa ein Drittel des Stromverbrauchs der Telekom in Deutschland aus erneuerbaren Energiequellen bestreiten. (vgl. Initiative 2° - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz 2007)

• Einen einfallsreichen Weg beschreitet der Öko-Strom-Anbieter Greenpeace Energy. Er bietet auf seiner CO2-freien Internet-Seite eine atomstromfreie E-Mail-Adresse an. (vgl. Greenpeace energy 2007, b)

• Mark Ontkush, der Autor des EcoIron-Blogs, hat eine andere Idee: Google solle seinen weißen gegen einen schwarzen Hintergrund tauschen. Mit dieser Maßnahme ließen sich 750 Megawattstunden Strom pro Jahr einsparen.

Diese Methode funktioniert allerdings nur bei Röhrenmonitoren, die für die Darstellung schwarzer Farbe tatsächlich weniger Energie benötigen. Bei LCD-Monitoren macht es keinen Unterschied. Wer es trotzdem ausprobieren möchte, findet ein schwarzes Google-Interface auf den Seiten „Blackle.com" und "Darkoogle.com". (vgl. Ontkush, Mark, 2007)

Fazit

Bisher blieben Internetfirmen und Computerindustrie im Gegensatz zu anderen Branchen von öffentlicher Kritik weitgehend verschont, trotz ihres gigantischen Stromverbrauchs. Dennoch haben sich Google, Microsoft, AMD, Sun Microsystems, Intel, IBM usw. mit Naturschützern zusammengetan, um gemeinsam gegen die Erderwärmung zu kämpfen. So sind sie für den Krisenfall gewappnet.

Die ständig steigenden Energiekosten tragen ebenso einen wesentlichen Anteil zu den Stromsparaktivitäten der Unternehmen bei, genauso wie die Hoffnung, mit dem Engagement neue Kunden gewinnen zu können.

Die Projekte werden sowohl in den USA als auch in Deutschland von staatlicher Seite unterstützt, sind aber dennoch von dem guten Willen der Industrie abhängig. Für verbindliche Vorschriften ist die Politik gefordert. Dennoch ist jeder Schritt in diese Richtung ein kleiner Fortschritt.


Quellen- und Literaturverzeichnis:

AMD Smarter Choice (2007): Study Commissioned by AMD Reveals Scope of Annual U.S. Data Center Energy Consumption: 45 Billion kWh, at Cost of Nearly 3 Billion Dollars; 15.02.2007, URL: http://www.amd.com/us-en/Corporate/VirtualPressRoom/0,,51_104_543~115850,00.html (31.10.2007)

Carr, Nicholas (2006): Avatars consume as much electricity as Brazilians, in Rough Type: Nicholas Carr’s Blog (Weblogeintrag vom 05.12.2006), URL: http://www.roughtype.com/archives/2006/12/avatars_consume.php (30.10.2007)

Climate Savers Computing (2007): Join us in slowing Global Warming, URL: http://www.climatesaverscomputing.org (30.10.2007)

DELL (2007): Dell lanciert Baumpflanz-Aktion zum Ausgleich von CO2-Emissionen, in DELL, Genf, 12.01.2007, URL: http://www1.euro.dell.com/content/topics/topic.aspx/emea/corporate/pressoffice/2007/ch/de/2007_01_12_gen_000?c=ch&l=de&s=corp (30.10.2007)

Greenpeace Energy eG (2007) a: Warum AF-I? - Hintergründe zur Aktion, in Atomstromfreies Internet, URL: http://www.atomstromfreies-internet.de/warum.php (30.10.2007)

Greenpeace energy eG (2007) b: Was kann ich tun? – Mach mit! AF-I Webmail URL: http://www.atomstromfreies-internet.de/webmail.php (31.10.2007)

Heuzeroth, Thomas (2007): Das Internet ist der wahre Klimakiller, in Welt-Online, 22. September 2007, 10:19 Uhr, URL: http://www.welt.de/webwelt/article1203605/Das_Internet_ist_der_wahre_Klimakiller.html (30.10.2007)

Initiative 2° - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz (2007): Das Prinzip Verantwortung – Herausforderung und Chance, URL: http://www.initiative2grad.de/index_de.php?pid=1 (31.10.2007)

Ontkush, Mark (2007): Black Google would save 750 megawatt-hours a year (Weblogeintrag vom 20.01.2007), URL: http://ecoiron.blogspot.com/2007/01/black-google-would-save-3000-megawatts.html (31.10.2007)

Spiegel-Online (2007): Einmal googlen entspricht einer Stunde Licht, in Spiegel-Online, 03. Juli 2007, URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,492078,00.html (31.10.2007)

STRATO AG Berlin (2007): STRATO gewinnt den „Berliner Umweltpreis des BUND“, in Presse, Aktuelle Meldung, 23.10.07, URL: http://www.strato.de/press/pressreleases/23_10_07.html (30.10.07)

The Green Grid (2007): About us, URL: http://www.thegreengrid.org/home (30.10.2007)


5-Minuten-Thema von Jasmine Kuna im Rahmen der PR-Veranstaltung PR II (Thomas Pleil)

Studiengang Online-Journalismus/Schwerpunkt PR an der Hochschule Darmstadt (Wintersemester 2007/2008)

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