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Ergebnisbericht

Studie: Web 2.0 und die Generation 50+

Das Internet und insbesondere das Web 2.0 ist nicht nur ein Medium für junge Leute und so beschäftigt sich auch die Generation 50+ zunehmend mit Social Media. Diese Benutzergruppe unterscheidet sich in ihrem Surf-Verhalten und ihrer Einstellung zu Web-Anwendungen jedoch von den jüngeren Generationen. Die Result GmbH hat hierzu eine Studie durchgeführt, dessen Ergebnisbericht ich im folgenden zusammenfassen möchte.

Methodenbeschreibung

Die Ergebnisse der Studie entstammen aus vier leitfadengestützten Gruppendiskussionen, die in den Städten Köln und Mannheim durchgeführt wurden. Insgesamt nahmen daran 40 Leute teil, die man in zwei Personengruppen zwischen 50 bis 59 Jahren und 60 bis 69 Jahren aufteilte. Hierbei wurde noch einmal zwischen berufstätigen und nicht (mehr) berufstätigen Personen unterschieden. Der Männer und Frauen Anteil war hierbei gleich. Die Teilnehmer mussten jedoch über die Grundvoraussetzungen eines privaten DSL-Anschlusses, einer Nutzung des Internets von mindestens zwei Stunden pro Woche sowie einer Affinität zu mindestens zwei Web 2.0 Anwendungen verfügen (vgl. Result.de, S.28).

Ziele der Studie

In dieser qualitativen Untersuchung wurden die Altersgruppe der Ab-50-Jährigen zu ihrem Zugang zum Internet und den Web-2.0-Applikationen befragt. Im Zentrum der Studie standen folgende Themenblöcke (vgl. Result.de, S.6):

Motive - Wie lassen sich die Möglichkeiten des Web 2.0 mit den Motiven der Generation 50+ vereinbaren?

Bedürfnisse - Welche kommunikativen Bedürfnisse gelten als Motive zur Nutzung von Web 2.0 Anwendungen?

Akzeptanz - Wie nimmt die Altersgruppe der Über-50-jährigen das Internet im allgemeinen und insbesondere Web 2.0-Angebote wahr und wie ist ihre Akzeptanz?

Nutzungshemmnisse - Sind bestimmte Nutzungshemmnisse in dieser Altersgruppe vorhanden?

Konvergenz - Welchen Stellenwert hat das Internet für die Generation 50+ gegenüber anderen Medien?

In Vorbereitung auf die Studie sollten sich die Befragten aus einem Angebot von zehn Websites mit mindestens 5 Seiten näher befassen. Jedoch war die Neugier der Teilnehmer so groß, dass sich kaum jemand lediglich auf diese 5 Seiten beschränkt hatte. Daraus resultierend konnten in den Diskussionsrunden beinahe alle der vorgegebenen Web 2.0-Anwendungen umfassend bewertet und diskutiert werden.

Die zehn ausgewählten Websites waren Beispiele aus den Bereichen Weblogs, Foto- und Videocommunitys, Social-Networking, Wiki-Websites und Podcasts (vgl. Result.de, S.10): Blog.de, Blog.Tagesschau.de, Flickr.com, MySpace.com, Platinnetz.de, Podster.de, Qype.com, Readers-Edition.de, Sevenload.de und Wikipedia.org (vgl. Result.de, S.30).

Motive

Die Studie ergab, dass das zentrale Nutzungsmotiv des Internets bei der Generation 50+ die Informationsbeschaffung von beispielsweise Nachrichten, Kochrezepten oder auch Urlaubsreisen ist (vgl. Result.de, S.7). Allerdings werden von den Ab-50-jährigen meist Seiten bevorzugt, die ihren Ursprung in der „realen Welt“ haben, also namenhafte Anbieter wie zum Beispiel Spiegel.de, Tui.de und so weiter (vgl. Result.de, S.8). Zwar ist auch die Kommunikation für die Befragten ein Nutzungsmotiv, jedoch beschränkt sich Kommunikation bei der Generation 50+ meist ausschließlich auf den E-Mail-Verkehr mit Verwandten, Freunden und Bekannten (vgl. Result.de, S.7). Das Motiv „Unterhaltung“ hat bei der befragten Nutzergruppe wenig bis keinen Stellenwert.

Der Umgang mit dem Internet ist meist zielgerichtet: zuerst werden E-Mails abgerufen, danach werden die favorisierten Websites abgearbeitet. Zwar setzen sich die meisten Befragten beim Surfen ein Zeitlimit, jedoch bestätigten sie auch, dass sie sich beim Stöbern schnell durch interessante Links im Internet verlieren können (vgl. Result.de, S.8).

Bedürfnisse und Akzeptanz

Damit ein Online-Angebot bei der Generation 50+ Erfolg hat, bedarf es einigen Erfolgskriterien (vgl. Result.de, S.20): Aus der Studie geht hervor, dass ein Angebot stets eine hochwertige Intention haben muss. Einfache „Just for fun“-Seiten wie MySpace.com oder Sevenload.de gelten als Seiten für die Jugend und werden von den älteren Nutzern für sich selbst abgelehnt (vgl. Result.de, S.18). Communitys finden zwar Anklang, jedoch sollten sie nicht ausschließlich als Kontaktbörsen dienen, da dies meist als unseriös empfunden wird. Somit haben nur Seiten eine Chance, die sich als seriös und vertrauenserweckend präsentieren. Des weiteren sollte die Struktur und die Intention des Angebots auf Anhieb erkennbar sein. Die Befragten empfanden dies insbesondere bei Blog.de und Podster.de als unzureichend. Werbung und animierte Seitenelemente waren ein weiterer Störfaktor für die Befragten. So wurden MySpace.com und Sevenload.de neben ihrer für die Zielgruppe fehlenden Intention auch durch ihre Aufmachung eher abgelehnt. Eine Anmeldepflicht, wie sie bei Platinnetz.de vorhanden ist, war ein weiterer störender Faktor bei den Befragten. Kann sich der Nutzer das Angebot nicht genauer ansehen und sich einen Eindruck darüber verschaffen, weil eine solche Barriere vorhanden ist, so stoßen solche Angebote auf Ablehnung. Zuletzt sollte der Name des Angebots auch dessen Funktion verdeutlichen. Hier war Qype.com ein passendes Negativ-Beispiel.

In der Gesamtbewertung entstand ein Ranking zu den vorgebebenen Websites (vgl. Result.de, S.7). Somit führten Wikipedia.de, Blog.Tagesschau.de und Readers-Edition.de durch ihre seriöse Anmutung das Ranking an. Es folgten Qype.com, Platinnetz.de und Flickr.com, die zielgerichtet einen Sinn verfolgen und den Befragten einen spezifischen Benefit brachten. Den vorletzten Platz belegten MySpace.com und Sevenload.de, deren Intention für die Befragten nicht klar war und als „sinnlose“ Spaß-Seiten empfunden wurden. Das Schlusslicht bildeten Podster.de und Blog.de, deren Zweck generell unverständlich war.

Nutzungshemmnisse

Für die Generation 50+ scheint laut der Studie eine Scheu vor Selbstdarstellung zu bestehen (vgl. Result.de, S.20). Somit erleben Communitys keine besonders hohen Anklang bei den Befragten, und wenn, dann nur aus voyeuristischen Motiven, vergleichbar mit den nachmittaglichen Talkshows im Fernsehen (vgl. Result.de, S.20 f). Wie bereits erwähnt, stoßen Seiten mit Anmeldepflicht wie sie bei Plantinnetz vorhanden ist, auf Ablehnung. Eine Anmeldepflicht verhindert die Möglichkeit sich einen Eindruck über die Seriösität des Angebots zu machen. Außerdem bestehen Sicherheitsbedenken, ob die Weitergabe von Daten und Informationen nicht zu einem gläsernden Menschen führen. Auch die Angst vor Spam-Mails oder einer „Abzocke“ im Internet ist vorhanden. Das Merken von weiteren Passwörtern beziehungsweise Login-Daten ist ein zusätzliches Nutzungshemmnis (vgl. Result.de, S.21).

Konvergenz

Während das Radio als Begleiter in und über den Tag und beinahe nur noch als musikalische Untermalung zu anderen Tätigkeiten genutzt wird, wird die Tageszeitung häufig morgens neben dem Radio gelesen. Das Fernsehen dient vor allem der Unterhaltung und wird Abends zum Tagesausklang eingeschaltet (vgl. Result.de, S.22 f). Für die Nutzung des Internets gibt es bisher keinen festen Zeitpunkt und erfolgt eher zufällig (vgl. Result.de, S.22). Jedoch hat das Internet bei vielen Befragten das Medium Tageszeitung bereits abgelöst. Grund dafür ist, dass das Internet den Befragten aktueller, umfangreicher und hintergründiger ist. Die Zukunftsvorstellung der Generation 50+ orientiert sich allerdings weiterhin an den klassischen Radio-und Fernsehsendern und kann sich eine Verschmelzung mit dem Internet nur schwer vorstellen (vgl. Result.de, S.26).

Ausblick

Die Generation 50+ zeigt sich als eine eher schwierige Zielgruppe, die dennoch aufgeschlossen für Neues ist. Um diese Zielgruppe zu erreichen, muss sich ein Angebot das Vertrauen erst verdienen. Dies geschieht zunächst durch seriöses und vertrauenserweckendes Auftreten. Auch die Intention der Seite muss klar erkennbar sein. Da stets Skepsis gegenüber Registrierungen herrscht, sollten solche möglichst gemieden werden. Zudem sollte stets ein bestimmter Anlass für den jeweiligen Dienst geboten werden, da reine Spaß-Seiten in den wenigsten Fällen eine Chance haben. Auch der Gedanken einer Community als reine Kontaktbörse stößt bei den Befragten auf Ablehnung, sofern diese nicht Tipps oder Ratschläge spezifisch der Altersgruppe bieten (vgl. Result.de, S.26).

Quellen

Result.de – Autor unbekannt (2007): Ergebnisbericht zur Studie „Web 2.0 und die Generation 50+“, von 10/2007, URL: http://www.result.de/research-studien-generation50plus/ (Abruf: 25.1.2009)

5-Minuten-Thema von Stefan Herber im Rahmen der PR-Veranstaltung PR IIa (Thomas Pleil), Studiengang Online-Journalismus mit Schwerpunkt Online-PR/ Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Darmstadt (Wintersemester 2008/2009)

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Page last modified on January 28, 2009, at 05:50 PM