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Digitales Reputationsmanagement (Einzelpersonen)

5-Minuten-Thema von Andreas Schließmann (15.11.2007)

Reputation ist einer der zentralen Begriffe der Public Relations. Die Reputation einer Organisation oder einer Person umfasst deren Wahrnehmung und bewusste Beurteilung durch verschiedene Bezugsgruppen, sie stellt ein immaterielles Kapital dar. Daher betreiben Unternehmen gezielt Reputationsmanagement, um ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Stakeholdern zu schaffen (vgl. Pleil, Thomas 2007).

Aber auch für Einzelpersonen ist eine positive Reputation unerlässlich – besonders in der Berufswelt. Bis vor einigen Jahren hatten Personalverantwortliche Bewerbungsmappe und -gespräch sowie etwaige Arbeitszeugnisse, um sich ein Bild von Bewerbern zu machen. Heute, da über 60 Prozent der Deutschen regelmäßig im Internet surfen (vgl. ARD/ZDF-Online-Studie 2007), nutzen potenzielle Arbeitgeber verstärkt das Internet, um an Informationen über Kandidaten zu gelangen - Laut einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) waren es 2006 bereits 28 Prozent der befragten Personalverantwortlichen. Mittlerweile existieren neben Google und Co. eine Reihe spezieller Suchmaschinen wie Wink, Spock oder Zoominfo, die sich auf das Auffinden von personenbezogenen Daten spezialisiert haben (vgl. Zuender 2007).

Das Internet vergisst nicht

Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren. Gerade in den Anwendungen des Web 2.0 sind Nutzer ohne weiteres dazu bereit, selbst persönlichste Informationen mit der INternetgemeinde zu teilen. Sie gestalten Profile bei Social Networks wie Myspace oder StudyVZ, stellen private Aufnahmen auf Youtube oder Flickr online oder beteiligen sich an Diskussionen in Foren oder Weblogs. Doch nicht alles, was man im Netz von sich preisgibt, erweist sich im Nachhinein als vorteilhaft. Zwar können selbst eingestellte Inhalte häufig auch von den Urhebern wieder entfernt werden, bei unliebsamen Beiträgen anderer ist man jedoch häufig auf deren Kooperationsbereitschaft angewiesen.

Und schließlich ist nicht immer garantiert, dass einmal gelöschte Inhalte wirklich komplett aus dem Netz verschwunden sind. Beispielsweise fertigt Google eine Kopie jeder Website an, die beim Erstellen eines Suchindexes durchsucht wurde und speichert diese eine Zeit lang im so genannten Google Cache. Ein noch umfangreicheres Archiv bietet die Wayback-Machine. Hier lassen sich laut Betreiberangaben alle Internetseiten seit 1996 abrufen (vgl. JurPC Web-Dok. 29/2002, Abs. 1 – 2). Man muss also damit rechnen, dass virtuelle Jungensünden auch noch nach Jahren im World Wide Web auffindbar sein werden.

Wenn ein Personalverantwortlicher im Internet also auf Saufbilder oder politisch fragwürdige Statements eines Bewerbers stößt, kann dieser sich auf ein paar unangenehme Fragen im Vorstellungsgespräch einstellen – im schlimmsten Fall wird er gar nicht erst zu einem solchen eingeladen. Personen, die im Internet aktiv sind, sollten sich demzufolge stets über die möglichen Auswirkungen ihrer Handlungen im Klaren sein. Eine positive Wahrnehmung im Netz kann sich im besten Fall auszahlen, eine negative eine Hypothek für das Berufsleben darstellen. Zurzeit haben daher Unternehmen Konjunktur, die einzelnen Personen ihre Hilfe beim Aufpolieren ihrer Onlinebiografie anbieten (vgl. Die Karriere-Bibel 30.09.2007).

Die Rettung?

In seinen „5 Tipps für eine bessere Online-Reputation“ verweist der Blogger Marcel Weiss unter anderem auf den US-amerikanischen Dienstleister Reputation-Defender. Die Firma bietet an, gegen ein monatliches Entgelt von 9,95 US-Dollar alle online verfügbaren Informationen über einen Auftraggeber zu finden. Tauchen dabei unerwünschte Inhalte wie Gerüchte oder Verleumdungen auf, verspricht Reputation Defender, diese gegen eine Gebühr von 29,95 US-Dollar aus dem Netz tilgen zu lassen. Laut des Unternehmens reicht es in den meisten Fällen aus, mit dem Betreiber der entsprechenden Websites in Kontakt zu treten. In seltenen Fällen sei es jedoch nötig, rechtliche Schritte einzuleiten.

Angeregt durch den Beitrag von Marcel Weiss hat "PR Blogger" Klaus Eck seine „10 Tipps für das digitale Reputationsmanagement“ verfasst. Darin rät er unter anderem Profile im Social Media-Umfeld einzurichten. Als Beispiel nennt er das deutschsprachige Reputations-Netzwerk myON-ID. Die Kölner Firma existiert seit August 2007 und versteht sich als Online Service, der es den Mitgliedern kostenlos ermöglicht, ihr Image im Internet selbst zu managen und sich so einen guten Ruf aufzubauen. Im Gegensatz zum Angebot des Reputation Defenders müssen die Nutzer bei myON-ID selbst aktiv werden. Die Methode, mit der am digitalen Erscheinungsbild gefeilt wird ist ebenfalls eine andere: In Suchmaschinen bereits vorhandene Treffer werden nicht gelöscht, sondern können geordnet und kommentiert werden. Die Mitglieder legen Profile an, in denen sie die Inhalte andere Social-Community-Netzwerke wie Xing oder StudyVZ bündeln können. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, das eigene Profil innerhalb der myON-ID-Gemeinde mit denen anderer Mitglieder zu vernetzen. Auf diese Weise ließe sich ein guter Ruf aufbauen oder bestätigen. Als Gratmesser dient dabei der "Reputationsindex", der auf einer Skala von 0 bis 500 die Anzahl und Güte der Bewertungen abbildet.

Vor- und Nachteile

Obwohl Reputation Defender und myON-ID das Gleiche für den Nutzer bewirken sollen, sind die Ansätze verschieden. Während es bei Reputation Defender darum geht, unliebsame Beiträge anderer im Netz aufzuspüren und verschwinden zu lassen, ist der Gedanke hinter myON-ID der, durch das Bündeln von Informationen und die Vernetzung selbst eine zentrale Anlaufstelle zur eigenen Person im Netz zu schaffen. Auf diese Weise sollen weniger erwünschte Ergebnisse in den Trefferlisten der Suchmaschinen nach hinten wandern, während die selbst aufbereiteten Informationen auf den vorderen Plätzen ein positives Bild vermitteln.
Beide Modelle haben Vor- und Nachteile. Bei dem Ansatz von Reputation Defender ist fraglich, ob es wirklich möglich ist, alle im Netz verfügbaren Informationen über eine Person aufzufinden und sie bei Bedarf endgültig entfernen zu lassen. Sollte dies gelingen, so erfüllt Reputation Defender zwar die Funktion eines Daten-Radierers, hilft jedoch nicht beim vorsorglichen Aufbau einer positiven Reputation.
Mit Hilfe von myON-ID lassen sich zwar prominente Suchmaschinentreffer generieren, die Unliebsamen bleiben dennoch auffindbar. Zudem steht und fällt die Bedeutung, die Personalverantwortliche einer Community wie myON-ID entgegenbringen, letztlich mit der Zahl und Qualität ihrer Mitglieder. Parallelen zu bereits etablierten Business-Plattformen wie Xing sind zudem nicht von der Hand zu weisen. Bei Personalern könnte so das Misstrauen geweckt werden, ob ein Bewerber mit einem myON-ID-Profil nicht etwas zu kaschieren haben muss.

Die Vorteile beider Angebote lassen sich bei gezielter Nutzung kombinieren, doch stellen sie im Wesentlichen ein Mittel zur nachträglichen Aufwertung der Onlinebiografie dar und können somit nur ein Element des Reputationsmanagements im Internet sein. Umfassendere Strategien für eine positive Wahrnehmung im World Wide Web finden sich unter anderem in den „5 Tipps für eine bessere Online-Reputation“ von Marcel Weiss, den „10 Tipps für das digitale Reputationsmanagement“ von Klaus Eck oder dem Focus Online-Artikel „Vorsicht, der Personaler liest mit!“.


Quellen- und Literaturverzeichnis:

Pleil, Thomas (2007): pr: erste theoretische annäherung (Foliensatz für die Lehrveranstaltung PR 1 im sechsten Semester Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt im Sommersemester 2007)

ARD/ZDF (2007): ARD/ZDF Online-Studie 2007: http://www.daserste.de/service/studie.asp

Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU (2006): Karriere: Informationen über Bewerber aus dem Internet beeinflussen zunehmend die Jobsuche, Pressemitteilung des BDU vom 20.11.2006: http://www.bdu.de/presse_321.html (zuletzt besucht am 02.12.2007)

Köver, Chris (2007): Dein Steckbrief online, in Zuender: http://zuender.zeit.de/2007/34/spock-wink-wikiyou-menschen-suchmaschienen (zuletzt besucht am 28.11.2007)

Bahr, Martin (2002): The Wayback Machine und Google Cache - eine Verletzung deutschen Urheberrechts?, in JurPC Web-Dok. 29/2002, Abs. 1 – 2: http://www.jurpc.de/aufsatz/20020029.htm#fn0 (zuletzt besucht am 28.11.2007)

Mai, Jochen (2007): Reputation 2.0 – Dienste für einen besseren Ruf; in: Die Karriere-Bibel (Eintrag vom 30.09.2007): http://karrierebibel.de/reputation-20-dienste-fuer-einen-besseren-ruf/#more-334 (zuletzt besucht am 29.11.2007)

Weiss, Marcel (2007): 5 Tipps für eine bessere Online-Reputation; in: imgriff.com (Eintrag vom 01.10.2007): http://imgriff.com/2007/10/01/5-tipps-fuer-eine-bessere-online-reputation/ (zuletzt besucht am 29.11.2007)

Staude, Linda (23.11.2006): Reputation Defender soll den guten Ruf retten, in tagesschau.de: http://www.tagesschau.de/ausland/meldung88950.html (zuletzt besucht am 02.12.2007)

Eck, Klaus (2007): 10 Tipps für das digitale Reputations-management; in: My On-ID Blog (Eintrag vom 10.10.2007): http://blog.myonid.de/index.php/2007/10/10/10-tipps-fur-das-digitale-reputationsmanagement/ (zuletzt besucht am 29.11.2007)

Website von Reputation Defender: http://www.reputationdefender.com/ (zuletzt besucht am 02.12.2007)

myOn-ID (2007): Presse. Die myON-ID MEDIA GmbH, in: myOn-ID: http://www.myonid.de/presse/ (zuletzt besucht am 29.11.2007)

Wortmann, Til (08.08.2007): Vorsicht, der Personaler liest mit!, in Focus Online: http://www.focus.de/jobs/bewerbung/tid-7051/bewerbung_aid_69068.html (zuletzt besucht am 02.12.2007)

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