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Blogs als Instrument der Trendforschung

Issues Management und Trendforschung ermöglichen als Teilbereiche der Unternehmenskommunikation sowohl Krisenprävention als auch Chancenkommunikation. Durch gezielte Beobachtung und Analyse des Unternehmensumfeldes können mögliche Krisen, Trends oder Änderungen im Meinungsmarkt schnell festgestellt und entsprechend darauf reagiert werden.

Während Issues Management Themen beobachtet, die in der öffentlichen Diskussion oder im Kontext zum Unternehmen stehen, beschäftigt sich die Trendforschung mit Werten und Entwicklungen der Gesellschaft, beobachtet deren Bedürfnisse, Verhaltensmuster und Stimmungslagen. Wird ein neuer Trend aufgespürt, der zum Unternehmen oder dessen Produkten passt, kann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit entsprechend darauf reagieren (vgl. Pleil, Thomas 2008).

Blogs als Instrument der Trendforschung

Als Instrumente dienen den beiden Bereichen beispielsweise Sozialforschung, Meinungsumfragen, Internet- und Medienmonitoring. Durch Web 2.0 kann ein weiteres Werkzeug hinzu gezählt werden: Das Blogmonitoring. Dabei werden gezielt Weblogs durchforstet und ausgewertet, die thematisch ins Unternehmensumfeld passen.

Besonders für die Trendforschung sind Blogs ein ideales Medium, um neue Entwicklungen und mögliche Image-Schwächen schnell aufzuspüren. Aktuelle Themen, Einstellungen, Verhaltensänderungen oder Bewegungen der Gesellschaft werden im Web schon diskutiert, bevor sie in den klassischen Medien erwähnt werden. Nur die Presse zu beobachten, genügt heute nicht mehr. Wird dort berichtet, ist es für die Öffentlichkeitsarbeit oft schon zu spät, um rechtzeitig zu reagieren – Gerüchte und Meinungen kursieren zu diesem Zeitpunkt schon global durch das Internet. "Der vormediale Raum gewinnt zunehmend an Bedeutung (…). Die klassischen Medien haben ihre Gatekeeper-Funktion verloren. Die Abgrenzung wird immer durchlässiger." wird Ingrid Moorkens, Leiterin der Medien-Evaluation bei Ausschnitt Medienbeobachtung, auf Internetworld.de zitiert (Puscher, Frank 2006). Ansgar Zerfaß spricht auf Media Coffee Blog von Blognutzern sogar als „Investigative Multiplikatoren“ und beschreibt sie als „interessante Dialogpartner für alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen.“ (vgl. Zerfaß, Ansgar 2007)

Wie werden Blogs bereits in der PR genutzt?

Die Bedeutung von Blogs für die PR liegt also auf der Hand: Die gezielte Beobachtung der Blogosphäre kann als modernes Frühwarnsystem und Trendbarometer genutzt werden. Doch erkennen Mitarbeiter der PR-Branche dieses Potential bereits oder halten sie an den klassischen Methoden der Trendforschung fest? Der PR-Trendmonitor 1/2007 zeigt, dass sich Pressestellen aus Unternehmen, Verwaltungen oder Verbänden zumindest darüber einig sind, dass Web 2.0-Anwendungen künftig an Bedeutung für die PR gewinnen – insbesondere Podcasts und Weblogs. Auch in Agenturen werden Weblogs mit 68,7 Prozent als wichtigste Web 2.0-Anwendung angesehen (vgl. PR-Trendmonitor März/2007).

Obwohl diese Meinung zumindest theoretisch in den Presseabteilungen und Agenturen angekommen ist, zeigt der PR-Trendmonitor von Juni 2007, dass gerade einmal 6,6 Prozent der befragten Mitarbeiter aus Unternehmenspressestellen täglich mit Web 2.0 arbeiten und sich gut damit auskennen. Agenturen sind etwas besser für Trends aus dem Web gerüstet: Die Mehrheit der Mitarbeiter in Agenturen (42,3 Prozent) nutzt zumindest "gelegentlich" Blogs, Podcasts & Co und fühlt sich mit diesen Anwendungen "einigermaßen sicher" (vgl. PR-Trendmonitor gesamt Juni/2007).

Man kann davon ausgehen, dass eine aktuelle Befragung höhere Prozentzahlen liefern würde, denn künftig wird kaum eine Pressestelle um die Beobachtung der Web 2.0-Szene herum kommen – Die Bedeutung der Blogosphäre wächst zunehmend. In Ausnahmefällen werden Blogger sogar als Meinungsführer anerkannt, sowohl innerhalb der Internetszene als auch darüber hinaus.

Nutzung am Beispiel Modeblogs

Besonders Fach-Blogs haben sich zu viel rezipierten (und kommentierten) Medien entwickelt. Ein anschauliches Beispiel sind Mode-Blogs, die nicht nur von interessierten Internetnutzern, sondern auch von rennomierten Modemagazinen und bekannten Designern gelesen werden. So genannte Streetstyle-Blogger laufen mit der Kamera durch ihre Stadt, fotografieren Menschen mit individuellem Stil und zeigen so die Trends dort, wo sie entstehen: Auf der Straße.

Schnell haben sich Blogger wie The Satorialist (http://thesartorialist.blogspot.com/) aus New York oder Styleclicker (http://www.styleclicker.net/) aus München in der Modeszene einen Namen gemacht. Scott Schumann von The Satorialist ist 2007 von der New York Times zu einer der 100 wichtigsten Instanzen der Mode-Welt gekürt worden. Gunnar Hämmerle von Styleclicker wird nicht nur von Modedesignern zu Kollektionspräsentationen eingeladen, er hat auch eine eigene Kolumne in der Jugendseite der Süddeutschen Zeitung. Beide Beispiele Beispiele machen deutlich, dass Blogger bei Spezialthemen schnell zu Meinungsführern werden können – sie berichten medienunabhängig und bieten der Öffentlichkeit ein unredigiertes Bild der Wirklichkeit.

Einschränkungen und Fazit

Blogmonitoring ist demnach ein ideales und vor allem kostengünstiges Tool, um Trends frühzeitig zu erkennen. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass Blogs von unabhängigen Personen geschrieben werden, Meinungen äußerst subjektiv dargestellt und Fakten nur selten geprüft werden. Des Weiteren kann Blogmonitoring nicht für jede Zielgruppe genutzt werden. Laut Moorkens sind Blogs keineswegs repräsentativ: „Ältere Menschen bloggen selten, zumindest in Deutschland. Bei Themen, die zur Blogger-Szene passen, findet sich aber alles. Von der Bewertung des Unternehmens-Images bis hin zum Produktdetail." (Puscher, Frank 2006). Achtet man also darauf, für welche Zielgruppe man Blogs nutzen will, wird in Kombination mit einer entsprechenden Kommunikationsstrategie eine aktive und zeitnahe Reaktion auf die Meinungsbildung der Öffentlichkeit ermöglicht.

Literaturverzeichnis:

Pleil, Thomas (2008): Issues Management, Trends und Lebenswelten, in der 5. Seminarsitzung PR Ia vom 26.05.2008 an der Hochschule Darmstadt, Studiengang Online-Journalismus Schwerpunkt Online-PR/Öffentlichkeitsarbeit, 6.Semester

Puscher, Frank (2006): Blog-Monitoring - Ganz nah am Trend, in: Internetworld.de, Juni 2006, URL: http://www.internetworld.de/Ganz-nah-am-Trend.120.0.html?viewfolder=060323&viewfile=06_30_01_backoffice (Abruf: 29.07.2008).

Zerfaß, Ansgar (2007): Blognutzer sind “Investigative Multiplikatoren”, in: Media Coffee Blog, 9.2.2007, URL: http://www.mediacoffee.de/ansgarzerfass/item/235#more (Abruf: 29.07.2008).

PR-Trendmonitor der news aktuell GmbH (März/2007): Web 2.0 gewinnt an Bedeutung, PR-Trendmonitor, Ausgabe März 2007, S. 15

PR-Trendmonitor der news aktuell GmbH (Juni/2007/gesamt): Ergebnisse - Pressestellen/Agenturen: Aktuelle Trends im Internet: Wie beurteilen Sie Ihr persönliches Know-How bezüglich der aktuellen Trends im Internet (Web 2.0)?: Schaubild, PR-Trendmonitor, Gesamtausgabe Juni 2007, S. 68


5-Minuten-Thema von Claudia Becker im Rahmen der PR-Veranstaltung PR Ia (Thomas Pleil) Studiengang Online-Journalismus mit Schwerpunkt Online-PR/ Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Darmstadt (Sommersemester 2008)

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